03.08.2014 - CAMARINAS

Von La Coruna nach Canarias - ca. 48 Seemeilen

AUFBRUCH nach Camarinas

 

Nach rund drei Wochen in La Coruna steht er nun für Violetta und Goofy an: Der erste Ritt auf dem Atlantik.

 

Viel habe ich mit Ihr darüber gesprochen. Doch ein bisschen "Schiss" war ihr doch anzumerken, was ich aber gut verstehen kann.

 

Mehrfach wurden wir vor den Tücken des Atlantiks in dieser Region gewarnt. Die Hafen-Crew von La Curuna: Wenn wir hier 20 Knoten Wind haben, dann weht es um Finisterre meistens mit 40 Knoten.

 

Finisterre, ja, genau in die Richtung wollten wir. Der heutige Tag schien uns dafür günstig. Hatte es doch die Woche vorher mit 20 - 25 Knoten aus NO - N geweht und sich eine kräftige Dünung aufgebaut. Und das wollte ich Violetta und Goofy nicht antun.

 

Bei moderaten 15 Knoten Wind aus NO warfen wir um 07:22 UTC die Leinen los. Die ersten Meilen ging es unter Motor um die Ecke von La Coruna herum, da uns der Wind genau auf die Nase wehte. Eigentlich ganz passend, da Violetta und Goofy sich so auf sanfte Weise an die ungewohnt Dünung des Atlantiks gewöhnen konnten. Nach rund 5 SM hissten wir dann das Großsegel und sogleich die Genua.

 

Der Wind wehte konstant mit moderaten 15 Knoten. Die anfängliche Kälte und diesige Sicht wechselte in ein klares himmelblaues Vergnügen mit zunehmenden Temperaturen. Ja, der "Neuanfang" war geschafft und er begann unter prächtigen Bedingungen. Violettas anfängliche Anspannung ließ deutlich von ihr ab.

 

Mit durchschnittlich 6,5 Knoten zogen wir, nachdem wir die NW-Spitze Spaniens umrundet hatten, bei einer ca. 2 m hohen, sanften, langgestreckten Dünung, unsere Bahn. Es dauerte nicht lange, bis dann rund 15 Delfine sich auf ein kleines Spielchen mit uns einließen, was auch zu unserem Entzücken über mehrere Minuten andauerte.

 

Die Stimmung an Bord konnte besser nicht sein. Die Temperaturen stiegen weiter, und die für die Region typische Feuchte des Morgens wandelte sich in ein wohlbehagliches Klima. Auch Goofy gab Zeichen von Behaglichkeit und nahm wiederholt Anlauf zur nächsten Knuddelaktion.

 

Ja, so kann es laufen. So macht es großen Spaß!

 

Auf halbem Wege drehte der Wind nach N und wir nahmen das Großsegel runter. Allein mit der Genua liefen wir nun "platt vorm Laken" ca. 5 Knoten.

 

Gerade als wir uns es wieder gemütlich machen wollten, erschrak ich, als sich plötzlich voraus ein brauner, schier unendlicher Streifen auf dem Wasser zeigte. Was, ein herrenloses Schleppnetz. Man, das gibt es doch gar nicht. Das Steuer rumgerissen um nicht direkt rein zu prassen.

 

Der Schreck wich beim Näherkommen sogleich. Das vermeindliche Netz zeigte nun sein wahres Gesicht:  Es war ein "Algengürtel". So etwas derartig großes hatten wir zuvor noch nie gesehen. Er schien sich über viele Meilen zu erstrecken. Quasi wie auf "leisen Sohlen" haben wir ihn durchfahren. Und es war schon irgendwie gruselig. In Gedanken hat er uns jedoch noch lange verfolgt: "War nun auch der Atlantik überdüngt"?!!

 

Weiter ging die Fahrt. Doch, da der Wind mehr und mehr nachließ, kamen immer langsamer voran. Um Goofys Blase nicht zu sehr zu strapazieren, setzten wir die Fahrt unter Motor fort. Nun mit rund 7,5 Knoten.

 

Nachdem die Sonne begann den Atlantik zu berühren, umrundeten wir das südliche Leuchtfeuer der "Zona de Vilano" (direkt vor Camarinas) und liefen alsdann in die Bucht von Camarinas ein.

 

Die wenigen Liegeplätze waren weitestgehend belegt und waren auch recht klein für unsere Bootslänge. Paul und Dörte von der SY Mansutje, die wir bereits in La Coruna kennen gelernt haben, hatten dort bereits fest gemacht. Die Beiden waren auf dem Weg in die Karibik.

 

In der praktisch rundum geschützten Bucht ließen wir bei rund 70 m Abstand zu den Anlegern den Anker auf 4-7m (je nach Tiede) Tiefe fallen. Wirklich toll - denn die Hafengebühren haben wir uns wieder gespart.

 

Und, umso mehr freuen wir uns über die in unserem Heimathafen Flensburg vielfältig als "Quatsch" belächelte Ausrüstung: Unsere Solarzellen und der in diesem Jahr installierte Watermaker ließen uns unser "Leben vor Anker" in vollen Zügen genießen. Auch wenn wir wochenlang vor Anker liegen benötigen wir keinerlei Input von der Außenwelt!

 

Camarinas ist ein kleines verträumtes Fischerstädtchen in sehr geschützter Lage.

Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Einheimischen weitestgehend mittels Fisch- und Krabbenfang (mit Körben) sowie dem Tourismus.

 

Leider hat man auch hier noch nicht verstanden, dass Abfall nicht ins Meer gehört, und sich  eher kontraproduktiv auf das Geschäft auswirkt. Das kleine Becken des Binnenhafens, und der Landstrich davor war übersäht mit Plastik und sonstigem Abfall.

 

Die kleine Promenade hingegen war geschmückt mit schön hergerichteten Verkaufsbuden. Sie ließen beinahe an einen gemütlichen Weihnachtsmarkt erinnern. Einige sehr gepflegte und im Preis sachlich gebliebene Restaurants ließen keine Wünsche offen.

 

Wenn doch dieser "scheiß Müll" überall nicht wäre ...!

 

Abgesehen davon haben wir uns hier wärend unseres 3-tägigen Aufenthaltes letztlich doch recht wohl gefühlt. Nicht zuletzt wegen der schönen Wanderwege entlang der Küste mit seinen wunderbaren Ausblicken. Und - noch nie haben wir so viele leckere Brombeeren auf einmal gegessen!

 

Übrigens: An der Südseite der Bucht liegt die kleine Hafenstadt Muxia. Wir waren nicht dort. Wir erfuhren aber von anderen Seglern, dass es dort sauberer und recht nett sein soll?!

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© Martin Plassonke