06.08.2014 - Finisterre

Von Camarinas nach Finsterer (ca. 20 SM)

Um 11.00 Uhr lokaler Zeit lupften wir erneut den Anker ohne Probleme. Das einzig knifflige dabei war diesmal, den Anker von dem sich hartnäckig festsaugenden schwarzen Schlamm zu befreien. Gut das es Vorschoter gibt ...!

 

Bei diesmaliger leichter NO-Briese dümpelten wir mit 4,5 Knoten allein mit der Genua unserem nächsten Ziel "Finisterre" entgegen.

 

Nachdem wir nach ca. 4,5 Stunden gemütlicher Fahrt am Zielort ankamen, stellten wir fest, dass ein Anlegen im Hafen nicht möglich war, da praktisch keine Gastplätze vorhanden waren. Allein die Einfahrt wäre zwischen den Moringbojen mit all den vielen Fischerbooten einem Abenteuer gleich gekommen.

 

So rasselte dann der Anker nördlich der Fischerboote zu Wasser. Sehr mit uns und der Tour zufrieden waren wir in Finisterre angekommen. Die Natur hatte es gut mit uns gemeint und mit seinen mitunter lebensgefährlichen Kapriolen verschont.

Auch der Ankerplatz inmitten einer schönen Bucht war erquickend für unsere Seele.

 

 

Finisterre - Ort des Gebets, der Pilgerer und Seefahrer!

 

Mit einer gewissen Erhfurcht machten wir am frühen Morgen unser Dingi klar, um den Ort zu erkunden. Mit unserer "Ehrfurcht" wehrte es jedoch nicht lang: Waren wir wieder in dem mir von früher her bekannten "SPANIEN" angekommen?! 

 

Plastik, Plastik, und noch mehr Plastik. Das Hafenbecken war übersäht davon. Und es schien niemanden zu interessieren. Was für ein krasser Unterschied zu La Coruna und Santiago de Compostella! Hier war alles wie geleckt.

 

Am Anleger wurden wir sogleich freundlich von einem Ansässigen empfangen, der uns beim Anlegen helfen wollte. Grasias! Nach wenigen Schritten steuerte ein Schaf ähnliches Wesen direkt auf uns zu. Lange Weiße Haare, langer, bis auf den Bauchnabel ragender Bart. Gleich auf vier Sprachen hieß er uns willkommen.

 

Mein Instinkt warnte mich vor Ungemach. Zu Recht: Nachdem er bei seinem Versuch uns seine Gebetskarten anzudrehen scheiterte, wich seine anfängliche Freundlichkeit einem recht unnahbarem Etwas. Mit wilden Handbewegungen unterstrich er seine Ablehnung gegen uns. 

 

Das wir ihm dennoch mit einem Lächeln begegneten, schien ihn schier aus der Fassung zu bringen. Mit brummelndem und gestikuliendem Schimpfen zog er von Dannen.

 

Einen Pilgerort hatten wir uns ein wenig anders vorgestellt. Zumindest ohne Müll vor der Haustür. Im erstbesten Kaffee mit WiFi namen wir Platz (Goofy hatte natürlich schon viel früher alles erledigt). 

 

Die Bedienung war freundlich, doch ein bisschen distanzierter als in La Coruna. Das stellten über die nächsten Tage immer wieder fest. Nicht unfreundlich, nein, nur eben ein bisschen distanzierter.

 

An der sich über rund 200 m erstreckende Hafenpromenade reihte sich ein Restaurant / Kaffee an das andere. Wir wanderten von der Nordecke beginnend an ihr entlang, bis wir am großen "Gemeindehaus" ankamen. 

 

Das "Angebotskonzept" in der "Halle" empfanden wir als sehr gelungen. Es brachte die Menschen zusammen. Neben verschiedenen Ausstellung (regionale Kunstgegenstände, Fotos etc.) wurden u.A. Vorträge über die regiolale Flora und Fauna gehalten. Morgens glich die Halle einemWochenmarkt, wo u.A. die örtlichen Fischer ihre Fänge zum Verkauf anboten. Ein unserer Meinung nach gelungenes Konzept.

 

Um die Ecke vom Gemeindehaus herum, ergab sich eine kleine, wunderschöne  Bucht bis tief in den Ortsteil hinein. Umgeben von alten Mauern. Auf der Südseite eine von großen und sehr gesunden Palmen umgebene Festung, die sich als ehemalige Kirche endpuppte und nun als Museum diente.

 

Für drei Euro pro Nase konnte dort eine (historische) Bildersammlung in Augenschein genommen werden. Hunde durften leider nicht rein. So blieben wir draußen.

 

Bei prächtigem Wetter verbrachten wir praktisch den ganzen Tag mit Bummeln und Violettas Lieblingsbeschäftigung - Kaffee trinken und Kuchen essen. Im an der schönen Bucht gelegenen, gut sortierten Supermercado frischten wir unsere Vorräte wieder auf, bevor wir mit der Abenddämmerung wieder an Bord gingen.

 

Auch am nächsten Tag erkundeten wir den Ort in alle Himmelsrichtungen. Beinahe etwas lustig vernahmen wir aus verschiedenen Gebäuden Sprech - und Gesangsköre, sowie Gebete  bis auf die Straße... .

 

Finisterre ist der Endpunkt des "Jakobswegs". Ja, wir hatten ihn uns ein wenig anders, mit z.B. mehr Müstik, und viel mehr Pilgerern vorgestellt. Zunächst empfanden wir eine gewisse Enttäuschung. Doch lag das sicher an "Unseren eigenen Vorstellungen". Wir hätten besser daran getan, ohne diese anzureisen.

Nach dem morgentlichen Gang des nächsten Tages mit Goofy blieben wir bis zum späten Nachmittag an Bord.

 

Wir nutzten die Zeit uns mit der Technik zu beschäftigen. Der üblich Blick auf die Maschine und das Rigg: Ölstand, Wasserfilter, Wanten - alles in bester Ordnung!

 

Das sehr klare Wasser sowie die anstehende Hitze annimierte mich zu einigen Schwimm- und Schnorchelrunden. "Alles klar an Propeller und Unterwasserschiff. Nicht eine Pogge. Der in La Coruna über drei Wochen angewachsene Algenschleim hatte sich bei der Überfahrt weitestgehend abgewaschen.... .

 

Zwischen den unter Wasser liegenden Felsblöcken schien mir einiges an Fisch zu sein. Meine Versuche ihnen nachzustellen blieben jedoch erfolglos. All meine Naturköder auch Blinker wurden wehement verschmät. Gut, dass es den (reichhaltigen und preisgünstigen) Fischmarkt gibt.

 

Mit einem leckeren, selbst kreiertem Fischgericht, einem Gläschen Wein und einem langen Gang mit Goofy durch die umliegende Natur schlossen wir den Tag rundum zufrieden ab. Morgen früh wollen wir weiter nach Muros.

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© Martin Plassonke