28.09.2014 - Figueira da Foz

Porto - Figueira da Foz 77 SM

 

Nach nun mehr als zwei Wochen war er gekommen, der Tag des Aufbruchs. Wir hatten keine Eile obwohl für heute 77 SM vor uns lagen. Auch war irgendwie keine Euphorie zu spüren. Ja, Porto war uns irgendwie ans Herz gewachsen.

 

Der Motor lief an, die letzte Leine los, um die Flachwasserstelle vor der Marina herum und noch einmal einen Blick zurück. Beim Blick auf die "Todesbrücke" durchzoge uns noch einmal das Suizidgeschehniss. Schweigend sahen wir uns an und richteten den Blick nach vorn.

 

Gespannt waren wir auf die Gegebenheiten in der Flussmündung. Es war kurz nach Niedrigwasser, und das Wasser stand praktisch. Der Wind sollte draußen mit 12 Kn wehen - also gute Bedingungen eine Flussmündung zu passieren.

 

Wie erwartet gab es in der Mündung kaum Turbulenzen. Trotzdem bemerkte ich, dass ich mich schon unter Konzentrationsdruck gesetzt hatte. Den Gashebel in der Hand, ein paar mal eine ca. 1,5 m hohe, steile Welle rauf und runter, und wir waren durch.

 

Genua und Kutterfock ausgebaumt und los ging es mit rund 10 - 12 Kn Nordwind. Die See war relativ ruhig, doch schwojte GANESCHA doch recht ordentlich. Nach demersten Tee brachte ich die Schleppangel aus. Violetta hatte sich in die Koje begeben.

 

Am Steuer gab es nicht viel zu bewegen. So nutzte ich einen kurzen Moment, um unter Deck unsere Wetterbox in Augenschein zu nehmen, die über "Kurze Welle" Daten empfängt. Keine zwei Minuten war ich unten. Als ich wieder Oben war, vernahm ich ein leises Surren. Aus weia, Biss an der Angel!

 

Ein Satz zum Gashebel, der nächste Satz zur Angel. Gerade als ich sie aus der Halterung nehmen wollte, knallte die Angel wie bei einemkräftigen Peitschenhieb. Die Rute bog sich dabei gewaltig und schleuterte zurück.

 

Scheiße, Scheiße, Scheiiißßßßeeee! Und das mir. Wie oft hatte ich gepredigt, nur gutes Angelmaterial zu verwenden, damit der Fisch, sofern er sich losreißt nicht mit hunderten Metern Leine durch die Gegend schwimmt. Und nun das. Nach zwei Stunden Fahrt war ich fürnicht mal zei Minuten unter Deck, und gerade dann muss eindicker Brocken anbeißen! Scheiiiiße und verdammt noch mal!!!!!

 

Mann, was war ich sauer. Mein Fluchen war wahrscheinlich bis Lisboa zu hören. Violetta schaute verwirrt aus dem Salon und fragte was denn los sei. "Scheiße noch mal, ich habe einen Fisch verlohren. Der schwimmt nun mit 500 m Leine durch die Gegend. Verfluchte Scheiße! 

 

Die Sache übermannte mich, und ich heulte vor Ärger und Fassungslosigkeit. "Und das mir"! Es bedurfte einiger Zeit, um mich wieder zu beruhigen. Ich legte mir dieses Geschehniss als eine Art Unfall aus. An der Ausrüstung hat es nicht gelegen. Die (geflochtene) Schnur war neu und hatte eine Trakraft von 50 Kg. Die Länge von 500 m war auch ordentlich dimensioniert. Der Köder war für Bonitos, Makrelen etc. ausgelegt.

 

Mann, nicht einmal zwei Minuten unten und genau dann passiert's. Der Fisch nun mit der Leine. Rund 100 Euro weg - mir fehlen die Worte... .

 

Die Angel packte ich ein, und konzentrierte mich die Fahrt. Der Wind wusste nicht was er mit sich anfangen wollte. Mal 7, mal 12 Kn. immer hin und her. Violetta blieb bei der Schaukelei unten. Ich schaltete den Motor ein. So kommen wir nicht voran. Goofy schien es zu gefallen, gab es doch nun wieder das volle Knuddelprogramm.

 

Die Stunden vergingen. Vorsegel raus, Vorsegel rein. Goofy knuddeln - alle halbe Stunde im Wechsel. Ca. 3 SM vor Figueira legte der Wind auf rund 15 Kn zu. Die Vorsegel zogen uns nun angenehm voran. Gerne auch schon früher, aber naja, es is ja wie es is.

 

Als die Flussmündung in Sichtweite lag, hatten wir eine ca. 1 m hohe Welle aus SW. Dann drehte auch der Wind in diese Richtung. Mit einem großen Bogen zogen wir zunächst an der Flussmündung vorbei und entfernten die "Bäume" von den Vorsegeln. Die Genua weg, das Groß ins zweit Reff.Die Kutterfock blieb stehen. 

 

In der Mündung kabbelte sich das Wasser. 18 Kn Wind. Noch 300 m bis in die Einfahrt.  20 Kn Wind, der zwischen NW und Richtung der Flusslinie raumte. Maschine an, leichte Fahrt voraus. Wow, was für ein Gehopse, was für eine Strömung. Warnmeldungen, die Flussmündung zu meiden gab es nicht.

 

Doch wir hatten (mittlers) ablaufendes Wasser. Nicht wirklich ein Idealzustand. Wir wussten: Der Fluss führte zu diesem Zeitpunkt wenig Wasser. Und so wagtenwir den Weg hinein, ohne auf hochwasser zu warten.

 

Trotz der beinahe 8 kn Fahrt wurde GANESCHA hin und her und rauf und runter buchsiert. Mein Adrenalinpegel hatte sich drastisch erhöht. Plötzlich "Piep, Piep, Piep ...". Alarm von der Navianlage. Was jetzt Herr Gott noch mal? Blick nach vorn - im Fahrwasser. Blick auf die Wassertiefe, alles OK. Scheiße was dann?

 

Nun, rund 50 m in der Mündung, 24 Kn Wind. Und wieder dieser Alarm. Bis ich ausschaltete und mich an den Tonnenstrich hielt. Endlich Ruhe, und nun mal dadurch.

Manchmal lagen wir auf der Backe, dann sprang enwir zwischen den kurzen abgehackten, steilen Wellen auf und ab. Am Rumpf donnerte das einschlagende Wasser es heftig.

 

Nach rund 10 Minuten war der Spuk vorbei. Um von der Strömung nicht an die Hafenmauer gedrückt zu werden, fuhren wir unter unter Segel und Motor zügig in den groß dimensionierten Hafenvorhof ein. Alsdann strichen wir die Segel und machten am westlich gelegenen Pier fest. 

 

Uff, nicht schlecht geschaukelt das letzte Stück. Aber heile angekommen. Und das ist es, was zählt.

 

Bitte unbedingt beachten: Unbeding in Ruhe richtig vorbereiten! Die Flussmündung zu Figueira de Foz hat schon einige Menschenleben gefordert. Wenn die Warnlichter an der Mole leuchten, dann bleibt lieber draußen! Erkundigt euch über Funk bei der Wasserschutz. Wenn abzusehen ist, dass die Bedingungen auf See schwer werden, dann bleibt lieben in dem Hafen wo ihr seid. Das hier ist kein Kinderspiel, wie wir ncht nur einmal Segler protzen hören haben!

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© Martin Plassonke