12.09.2014 - Peniche

Von Nazare nach Peniche 28 SM

 

Obwohl wir, von der Gegend recht angetan, noch hätten bleiben können, wollten wir uns weiter Richtung Süden begeben. Wir hatten überhaupt nicht daran gedacht, so viel Zeit im Norden Portugals und auch Spaniens zu verbringen. Doch wäre es zu schade gewesen, an all den schönen Dingen einfach vorbei zu segeln.

 

Der Gassigang mit Goofy führte uns natürlich zuerst an die Mole der Marina von Nazare. Wie ist die Brandung. Müssen wir besondere Vorkehrungen treffen, oder können wir überhaupt raus? Alles schien zwar nicht ruhig, aber auch nicht bedrohlich zu sein. Der Wind sollte mit ma 15 Kn aus NW kommen. Für uns bedeutete das hart am Wind Kurs zu nehmen.

 

Wir schauten uns guter Dinge an. Prima, alles Prima! Goofy stimmte mit lautem Gebell in unseren Freudentanz ein. Wollen wir kurz noch in die Bucht bei Salir do Porto? Der Wasserstand würde es zulassen. Na, wir werden sehen wie es läuft!

 

Aus reiner Vorsicht kleideten wir uns quasi "wasserdicht" ein, obwohl es recht warm war. Ausziehen geht eben besser als bei tosender Schaukelei anziehen. Und besser Vorsicht als Nachsicht ...! Gut so. Denn komischer Weise hat sich innerhalb von nur 1 1/2 h nach unserem Spaziergang der Seegang kräftig entwickelt. Teilweise bis zu 2 m hohe Wellen aus NW liefen in die Bucht ein, sowie vor der Hafeneinfahrt entlang.

 

Die Segel ließen wir bei der Ausfahrt unten. Das Groß zum Hissen jedoch vorbereitet. Den Motor ließen wir 5 Minutenwarmlaufen, und dann ging es los. Unsere Herzen klopften nicht schlecht, und sogleich nach der Hafenmauer ging das Getanze auch schon los. So hielten wir uns zunächst rund zwei SM mit der Nase in Wind (NW) und Welle.

 

Alsdann ließ der Seegang gemächlich nach, und wir setzten zunächst das Groß ins 2. Reff und die Kuterfock hinzu. Erstmal halblang machen. Insbesondere wegen Goofy, der ja mit seinen 13 Lenzen auch nicht mehr der Jüngste war. So nahmen wir rund 5,5 Kn Fahrt auf, kratzten dabei aber hart an der Windkante. Die Fahrt forderte uns recht ordentlich, da der Wind immer wiederr um ca. 20 Grad seine Richtung gen N und zurück änderte. 

 

So versuchten wir Raum gen N zu fahren, was uns den Vorteil verschaffte, dass wenn der Wind westlicher kam, wir nicht zu sehr in Landnähe kamen, und nicht aufkreuzen mussten. So gesehen schlängelten wir uns im sicheren Abstand mal näher mal weniger nah an der Küste entlang.

 

Zwischenzeitlich hatte der Wind aber ordenlich zugelegt. 18, in Böen 21 Kn. Die Besichtigung der Bucht bei Salir do Porto ließen wir vorsorglich aus. Kurz nach der Bucht ließ der Wind pötzlich bis auf 12 Kn nach. Das Groß ging nun voll auf, die Kutterfock weg, und auch die Genua voll auf. 

 

Bis ca. 3 SM vor der Meerenge bei Peniche rauschten wir so zügig voran, als der Wind wieder rasch an Stärke zu nahm. 1. Reff. 10 Min. später 2. Reff und Kutterfock. 20 Kn konstant, 23, 25 Knoten. "Die Ecke hat es in sich!" rief ich zu Violetta rüber. "Geh mit Goofy nach unten und macht es euch in der Koje gemütlich. Ich mach das hier schon"!

 

Mit mürrischem Blick wurde eine Befehlsverweigerung vollführt. "Ne, wir bleiben hier oben"! 25 Kn Wind konstant. Dann waren wir mitten zwischen der westlichsten Ecke Portugals und den kleinen NW vorgelagerten Inseln, als die Wellen bis über 3 m in die Höhe steil nach oben kamen. 28 Kn Wind!

 

Wow, was ist das denn. Den Motor zur Vorsicht eingeschaltet. Was kommt da auf uns zu. Wetterfrösche, wie darf ich das verstehen?! Ein Brecher jagte den nächsten, als plötzlich an STB-Seite nur ca. 5 m enfernt ein riesiges Loch mit rund 5 m Tiefe und einem Durchmesser von ca. 15 m neben mir aufging.

 

Au Backe, dass hatte ich zuvor noch nie gesehen. Was war denn das? Ein Strudel?! Mir blieb die Spucke weg. Der sogleich anrollende Brecher brachte mich aus dem Grübeln in die Realität zurück. Was geht denn hier ab. GANESCHA wurde wie ein Spielball hin und her geworfen. Es schien, als wenn hier die aus verschienen Richtungen setzenden Strömungen um die Vorherrschaft und um uns kämpften.

 

Au Backe, was für ein Getöse! Urplötzlich brach der Wind in sich zusammen, um nach wenigen Sekunden wieder voll auf uns hernieder zu gehen. 30 Kn! Wie geil ist das denn. Wie geil ist doch so eine Kutterfock!

 

Wir stampften gegen die Wellen und blieben doch bei Fahrt. Wenn auch manchmal runter auf 2,5 Kn doch kamen wir weg vom (Fest) Land. Gott sei Dank! 

 

Nachdem wir die Inseln ein wenig achterlicher als quer ab hatten, drehte der kurz zuvor beinahe W-WNW setzende Wind erfreulich auf N. So bekamen wir den richtigen Vorschub, uns weiter vom Festland frei zu fahren. Und mit der Umrundung der Landspitzte schlängelte sich der Wind mit uns entlang der Küstenlinie, bis es auf W-Richtung verharrte.

 

Wer hätte das gedacht. Der Wetterbericht hatte "hervorragende Bedingungen" voraus gesagt! Aber 30 Kn Wind sind für mich alles andere als hervorragend, besonders nicht in solchen Regionen. Erschwerend kam hinzu, dass das ganze Seegebiet dieser Region mit kleinen Fischerbojen voll gespickt war, und hinter jedem Wellenkamm die nächste auf dich lauern kann. Den Motor hatte ich wie gesagt eingeschaltet, doch deshalb nicht in "Fahrt bzw. Gang" gesetzt. Diesen hätte ich nur im äußersten Notfall zur Hilfe genommen.

 

Als die Landspitze an BB-Seite quer ab lag, rauschten wir mit mit bis zu 8,5 Knoten voran. Weiterhin größte Vorsicht wegen den Fischerbojen. Aber die Turbulenzen der Strömungen hatten glücklicher Weise deutlich nach gelassen, so dass wir mit den nun noch 2 m hohen Wellen gut klar kamen. Um die Ecke herum zogen wir die Kutterfock zur Vorbereitung auf die bevorstehende Halse etwas "back" und setzten das Groß voll dicht. Bei noch 25 Kn Wind gab ich mir selbst das Komando "Rund Achtern" und brachte das Heck so seicht wie möglich durch den Wind. 

 

So klappte die Halse prima. Die Schoten wieder gefiert und weiter ging die (Rausche) Fahrt zwischen unzähligen Fischerbojen und nun auch Fischerbooten hindurch, Richung Hafenmole.

 

Als wir uns dieser näherten, brachte ein Blick durchs Fernglas guten Einblick in die Geschehnisse vor Ort. Hohe Wellen setzten an der riesigen Mauer der Hafeneinfahrt entlang oder brachen sich schäumend und tosend an ihr. Dieses zum Anlass genommen, nahm ich zunächst einen weit entfernten, großen Bogen an der Mauer vorbei, um dann mit der Nase in Wind und Welle gerichtet in den Hafen einzusteuern.

 

Die Strategie ging auf. Das sonst zu erwartende starke Schwojen hielt sich in Grenzen. Hinter der dem Hafen lang vorgelagerten Mauer wurde es sogleich ruhiger. Mit genannter Besegelung fuhren wir zügig in das riesige Hafenbecken ein und nahmen erst dann die Segel runter. Gleich rechts rum um die südliche Hafenmole herum droppte der Anker. Die Anleger für Boote liegt 200 m an der westlichen Seite.

 

Klasse: Wieder gleich um ein paar Erfahrungen reicher!

 

Der Ort Peniche hat etwas Malerisches. Eine Burg, mit Naturstein gemauerte Wasserkanäle durch welche die Brandung zischt und spritzt (bei der Burg), ein Seefahrtsmuseum, viele Restaurants und Wandermöglichkeiten entlang wunderschöner Landschaften. Obwohl es uns sehr gereitzt hat länger zu bleiben, sind wir nur eine Nacht geblieben.

 

Hinweise zum Ort: An Lebensmitteln gibt es praktisch alles. Tankstelle für Diesel vorhanden. Achtung: Alte ungenutzte Fischernetze durchziehen das Hafenbecken!!!

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© Martin Plassonke