13.09.2014 - OEIRAS

Von Peniche nach Oeiras 60 SM

Anker auuuf, Peniche ade! Jawoll. 60 SM heute. Doch, was ist mit dem Anker? Die Winde ächtst und stöhnt. Will uns der Ort noch hier behalten? Violetta schaute vom Bug zu mir nach Achtern und zuckte mit den Schultern.

 

"Was ist los? Willst du doch noch ne Nacht bleiben?" "Nee, der Anker kommt nicht!"

Ich nach Vorne. Tatsache! Die Winde quälte sich und ließ GANESCHA mit der Nase eintauchen. Ja, wasn das? "Ich fahre mal kurz zurück und dann wieder vor"! Gesagt getan. Wieder nach Vorne. Die Kette kam weiter auf und stockte dann wieder. Das gab mir so eine Ahnung. Hoffentlich kein E-Kabel! In der Karte stand aber keines. 

 

Nochmal zurück und wieder vor. Die Kette kam weiter auf und der Anker wurde sichbar. Er war umschlungen von einem alten Fischernetz mit einer dickeln Zugleine,  und voll mit Schlamm. Unser Brotmesser schaffte Abhilfe, und dann ging es los.

 

Die Wellen sollten sich zwischenzeitlich gelegt haben. Nun kann es mit Nordwind um 14 Kn wirklich ein gemütlicher Turn werden. An der Mole aber spritzten die Wellen noch immer rüber. Sarasanni, nicht schooon wieder, oder? Nein, glücklicher Weise nicht. Denn am Ende der Mauer war die Dünung mit ca. einem Meter recht friedlich.

 

Die Vorsegel kamen mit Baum zum Einsatz und Goofy freute sich unglaublich über die  überdimensionalen Streicheleinheiten. Wenigstens ein bisschen Entschädigung für die letzten Turns, bei dem er nun doch schon was auszuhalten hatte. Aber, wie unser Liebchen so ist, vergangen und vergessen. Blick nach Vorn.

 

Nach rund einer Stunde brachte ich die Schleppleinen aus. Die letzten Makrelen waren bereits verspeißt. Delfine kamen uns entgegen. Das Wasser tiefblau. Herrlich. So schön kann segeln sein.

 

Die Stunden und Meilen gingen dahin. Im Durchschnitt 6 Kn Fahrt. Nach Peniche haben wur für rund 30 Meilen nicht eine Fischerboje gesehen, was aber nichts bedeuten soll. Wir waren ganz allein auf weiter Flur. Am Horuzont beobachteten wir das Schauspiel des Berge-  bzw. Wasserversetzens. Ja wirklich, alls wenn ein großer abgerundeter Wasserberg von A nach B geschoben würde.

 

Mit dem Fernglas holten wir uns den Anblick bis ins Cockpit. Au weia. Wie hoch ist denn da draußen die Dünung?! Es dauerte rund weitere 10 Meilen, bis wir es am eigenen Leibe erleben durften. Es war in Etwa auf der Höhe von Carbo da Roca, als wir dem "Fahrstuhlgebiet" näher kamen. 2 m rauf, 2 m runter. Lustig, so sanft kann das sein. 

 

Etwa eine Meile Südwestlich von uns, erkannten wir zunächst etwas, was wir nicht gleich erkennen konnten. Ein Mast alleine auf dem Wasser? Das behielten wir im Auge. Mal war der Gegenstand größer, mal kleiner. Er kam immer näher. Plötzlich konnten wir den Gegentand identifizieren: Es war eine Segeyacht in etwa unserer Größe. Und schwupp war sie auch schon wieder verschwunden. 

 

Wir waren irgendwie so mit uns beschäftigt, dass wir kaum bemerkt hatten, wie sehr sich die wahnsinnig lang gezogene Dünung erhöht hatte. Ich will nicht übertreiben, aber 4 m waren es mindestens. Die Segelyacht, die mittlerweile auf wenige hundert Meter näher gekommen war, war immer wieder bis auf einen kleinen Mastzipfel verschwunden, und präsentierte sich dann wieder in vollem Angesicht auf einem Dünenkamm.

 

Auch diese Erfahrung war neu für uns. Die Dünung war beinahe glatt wie ein Kinderpopo aber eben enorm hoch und schien über bis zu 100 m lang gestreckt zu sein. Zwar mit einem leicht mulmigen Gefühl im Bauch haben wir es letztlich aber doch genossen. 

 

Kurz nach dieser Erfahrung tauchten auch die ersten Fischerbojen wieder auf. Aber erst nach genauem Hinsehen! Sie bestanden aus reinem Naturkork und hatten lediglich die Größe eines Korkens von größeren Buddel- oder Bauchflaschen. Also ca. 7 x 7 cm. Gut dass wir nicht unter Maschine fahren mussten!

 

Um die Landecke von Cascais nahmen wir die Genua weg, entfernten den Baum der Kutterfock, und zogen das Groß ins 2. Reff auf. Der Wind frischte auf 18 - 21 Kn. Zügig ging es voran. Nach der Umrundung des Landzipfels ließ die Dünung deutlich nach und verwandelte sich in Windwellen von ca. 1,5 bis vereinzelt 2 m Höhe. Alles soweit prima.

 

Kurz vor Cascais ließ dann auch dieser Seegang rasch nach. Der Wind blieb aber weiter frisch bis kräftig. Cascais: Ja, hier wollten wir eigentlich hin. Daraus wurde aber nichts, weil unsere Freunde Steffy und Thomas von der SY Yemania uns nach Oeiras lotsten. "Kommt blos hier hin, es ist so toll hier"! Gesagt getan. Wir haben es nicht bereut! Nein, wirklich nicht.

 

Durch die Hilfe der Beiden haben wir den noch einzigsten noch freien und besten Platz der Marina bekommen. Und dann passte das ganze Drumherum einschließlich des für uns Yachties frei zugänglichen Swimminpools, Musik und Tanz usw.usw. einfach alles super. Besser konnte es nicht sein. 

 

VIELEN DANK STEFFI UNS TOMY!

 

Den vor der Haustür erlebten Schreck, als wir beinahe ein Anglerboot niedergebrettert hätten, weil es inmitten des Einfahrtwassers lag, und ich die Marinacrew wie gewünscht anfunken sollte und keine Antwort bekam,  und somit für einen Moment abgelenkt war, hatten wir bei diesem Ambiente schnell vergessen. Mann, war das knapp!!! 

 

Aus dem geplanten Kurzaufenthalt wurden ganze NEUN Tage! Wir konnten einfach nicht genug bekommen. Bis nach Lisboa, wass ich mir als besonderen Schmankerl für Violetta vorgemerkt hatte, wurde nichts. Hier waren wir rundum glücklich und mehr wollten wir in diesem Moment auch nicht. "Wenn wir wieder rauf segeln", meinte Violetta und lächelte zufrieden dabei.

 

Zu Oeiras: Es ist ein gut orgnisierter sauberer Ferienort, der kaum Wünsche offen lasst. Von hier führt ein Fahradweg bis nach Lissabon. Oeiras selbst streckt sich mehrere Kilometer entlang der Küste. Einkäufe sind rundum möglich. Ein günstiges Shuttle steht halbstündlich zur Verfügung. Lissabon ist auf vielen Wegen günstig erreichbar. Vor Anfahtr der Marina auf Kanal 9 anmelden. Aber nicht von weiter als einer SM entfernt, da dort nur Handfunkgeräte existieren. 

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© Martin Plassonke