23.08.2014 - Viana do Castello

Von Bajona nach Viana do Castello (35 SM)

 

35 Seemeilen, das sind wirklich nicht viel. Gerade aber so viel, dass sowohl der Segler als auch die Landliebenden gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Das Wetter schien uns wieder wohl gesonnen. Rund 15 Kn aus Nord sollte es geben.

 

Um ca. 09:00 Uhr hoben wir den Anker. Bei Dietmar und Katja, die ca. 100 m von uns entfernt lagen, konnten wir noch keinerlei Aktivitäten ausmachen. "Wir peilen dann schon mal die Lage..." .

 

Zunächst ging die Fahrt erst wieder ein wenig Richtung Norden, um aus dem Becken in den freien Atlantik zu gelangen. Mit einigen Kreuzschlägen unter zweitem Reff und Kutterfock gelang das allein mit den Naturkräften. Bereits nach wenigen Schlägen ging die Fahrt zunächst ca. 4 SM nach Westen, um die Spitze des vorgelagerten Riffs, welchem wir vorsorglich weit auswichen, herum. Ein riesiger Drei-Master kam uns derweil entgegen. Sei Anblick beflügelte unsere eh sehr gute Laune.

 

Wiederholt namen wir auf dem Südkurs das Großsegel herunter, baumten die Genua aus, und glitten mit rund 6 Knoten voran. Ca. eine Stunde später sahen wir das AIS Signal der SY Summer, von Katja und Dietmar, die mittlerweile auch die Fahrt zum gleichen Zielort aufgenommen hatten.

 

Bei gleichmäßiger, wohl auszuhaltentder Dünung kamen wir rasch unserem Ziel entgegen. Bereits nach weniger als fünf Stunden nachdem wir den Anker gehoben hatten, erblickten wir die Schutzmauer der Mündung des "Rio Lima".

 

Ein wenig Anspannung machte sich von nun an breit, denn die Mündung des "Rio Lima" ist nicht ganz ohne! Es herrschten zwar gemäßigte Bedingungen, doch kamen wir zu einem recht ungünstigen Zeitpunkt hier an - es war ablaufendes Wasser! Das bedeutet, das sich eine ungemütliche "Grundsee" mit sich steil empor hebenden Wellen entwickeln kann. Solche Situationen gebietet äußerste Vorsicht, denn sie können nicht selten zu einer echten Bedrohung werden!!!

 

Den Lehrbüchern hatten wir entnommen, das solche Gebiete mit möglichst vollen Tüchern und größtem Speed genommen werden sollte. Wir haben unsere eigene Taktik entwickelt. Denn nicht selten haben wir feststellen müssen, dass, wenn es irgendwo, wie auch hier, um die Ecke geht, oder, auch wie hier, ein Tal sich zur See erstreckt, auch der Wind den Segler nicht selten auf eine extra Probe stellt.

 

Und genau so kam es auch. Ca. 2 SM vor der Einfahrt zogen wir das Groß auf. Aber nicht voll, sondern ins zweite Reff. Die Genua weg und die Kutterfock raus. Zuvor brachten wir uns mit einem weiten gefahrenen Bogen in eine gute Kursposition, denn die der Flussmündung vorgelagerte Schutzmauer muss umrundet, und die Einfahrt von SW her genommen werden.

 

Nun, wegen der drastischen Kursänderung "Hoch am Wind", zeigte sich unsere Besegelung als goldrichtig.  Aus 15 Knoten wurden rasch 18, 20, 23 Knoten, Winddreher. Gleich zwei mal innerhalb der nächsten 200m schifteten wir die Kutterfock. Das Groß war stramm Mittschiffs durchgesetzt. Die Strömung verlangte weitere Aufmerksamkeit und drohte uns Richtung Land drängen zu wollen. Starkes Gegenruder war somit erforderlich. ...

 

Ja, solche Ecken haben es in sich! Auch wenn die Wetterbedingungen einem suggerieren, in Abrahams Schoß zu verweilen !!!

 

Die Marina von Viana do Castello ist recht klein und muss durch eine sehr enge Zufahrt angesteuert werden, die zeitweise durch eine Brücke verschlossen ist. Im Außenbereich, also noch im Flussgebiet, liegt ein etwa 150m langer Anleger, an dem alle Neuankömmlinge anlegen müssen.

 

Die Marina selbst war prall gefüllt, ja so zu sagen total überfüllt. Am nächsten Tag erfuhren wir warum: Es lag nicht allein an der zur Zeit währenden Hochsaison. Genau an diesem Wochenende war auch das alljährlich Erntedankfest. Gott sei es gedankt, wir fanden einen Liegeplatz und durften dieses "SPEKTAKEL" zu unserer größten Freude am eigenen Leib mit erleben! ...

 

Das Anlegemanöver am Landugssteg klappe trotz sehr starker Strömung erstklassig. Der Mariniero lobte uns über alle Maße: "Super Skipper", grandiosso, wunderbar"! Er beherrschte mehrere Sprachen und wir schienen Ihm von Anfang an sympathisch zu sein. "Macht Euch keine Sorgen, die Marina ist voll, gut so, ihr könnt hier bleiben, viel besser als drin".

 

Jau, stimmt, die "Bude" war so eng, das bei ca. 18 - 22 Knoten Wind ...!

 

Gerade festgemacht und durchgeatmet kamen Dietmar und Katja an den Steg. Die beiden haben, wie wohl alle anderen Segler auch, ihre eigene Anlegetaktik. Diese schien sich aber wohl nicht mit den Vorstellungen des Mariniero zu decken, wofür die beiden sicherlich nichts konnten. Das Anlegen der Beiden klappte prima. Der Marinero aber schimpftein in meine Richtung: "Du guter Skipper, der scheiße Skipper". Wir mussten doch sehr lachen. ...

 

Im Marinabüro angekommen gab es zunächst einige Unstimmigkeit wegen der Liegegebühr. Nach einigem Hin- und Her einigten wir uns, und alle waren zufrieden. Ja, wie wir bereits am nächsten Tag erleben durften, mehr als zufrieden! ...

 

... Ein solches Erntedankfest haben wir in unserem Leben noch nicht erlebt. Die ganze Stadt war involviert und quasi in Aufruhr. Aus allen Bereichen des Umlandes kamen Volksgruppen, Musikanten und insbesondere Trommer und zogen durch die Innenstadt. Welch ein Schauspiel und Getöse.

 

Die Anteilnahme der Menschen war bombastisch und sie zogen uns förmlich mit in Ihren Bann. Nun gab es für uns kein Halten mehr. Wir waren mitten drin! Wow, das hat unsere Welt noch nicht gesehen. Zusammen mit Katja und Dietmar ließen wir uns vom Menschenstrom durch alle Straßen führen.

 

Nach einiger Zeit gelangten wir an marktähnliche Verkaufsstände, welche die hiesige Handwerkskunst und Landwirtschaftlichen Produkte präsentierten.

 

Die Wein- und Metverkostung forderte schnell ihren Triebut. Dietmar und ich hatten so schnell die Füße rund, dass uns echt schwindelig wurde.

 

Ein Feuerwerk für uns nie da gewesenen Ausmaßes rundete den sagenhaften Tag bravurös ab. Die über den Rio Lima vom Designer des Eifelturms konstruierte, altertümliche, wunderschöne Stahlbrücke war über ihre gesammte Länge mit Feuerwerk gespickt. Gegenüber unseres Steges befanden sich viele Boote, von denen Raketen und Mörser anbgefeuert wurden.

 

Ja, wir waren mittendrin im "SPEKTAKEL". Loge, erste Reihe, 1. Platz. Mehr und besser geht nicht! Und wieder gingen die Emotionen und dieses mal nicht nur bei mir allein, durch. Das Feuerwerk was schier unfassbar, und schien kein Ende nehmen zu wollen. Der Rauch der Feuerwerkskörper hatte sich so stark entwickelt, dass er die ganze Brücke einzuhüllen schien. 

 

Dieses hatte wiederum einen extra Effekt zur Folge, die das Spektakel noch fantastischer zum Ausdruck brachte! Ein unfassbares, unvergessliches Erlebnis!... 

 

WIR WAREN ALLESAMT SPRACHLOS!

 

DANKE Viana do Castello! Danke PORTUGAL!

 

Das war der absolute Oberhammer!

 

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© Martin Plassonke