25.06. - 27.06.2014

Helgoland lassen wir hinter uns ...

 

 

Der erste Sonnenuntergang auf unserer Reise

... nachdem wir nun auch Helgoland hinter uns ließen, senkte sich zum ersten mal während unserer Fahrt die Sonne zur Nachtruhe.

 

Mit rund 7 Knoten liefen wir bei einem lauen Lüftchen unter Maschine Richtung England. Es war recht frisch und wir mussten uns dick einpacken um nicht einen Zapfen an der Nase zu bekommen.

Wacheplan

Wachablösung nach drei Stunden ...

 

Daran haben wir uns recht schnell gewöht.

Der erste Fang: Ein Algenaal für Vegetarier

Der erste Morgen auf hoher See ...

Das erste Fangergebnis an der Schleppangel ...

 

Der Morgen (26.06.) war herrlich, praktisch kein Wölkchen am Himmel - aber auch kein Lüftchen.

 

So liefen wir weiter unter Maschine gen Westen und der Tag nam ohne weitere Vorkommnisse seinen Lauf.

 

Außer einem vegetarischen Algenaal wollte an unserem Angelhaken einfach nichts anbeißen.

 

Die erste Bohrinsel ...

 

... wir passieren sie östlich, immer noch unter Maschine fahrend. Eine kleine Abwechslung. Vielmehr haben wir vor Einbruch der zweiten Nacht nicht gesehen. Den Blick zum Land haben ja schon nach Helgoland verlohren.

 

Die zweite Nacht verlief recht wechselhaft: Zunächst kam doch eine Briese auf, die uns sogleich veranlasste, die Segel zu setzen. Die Freude währte aber nicht lange, da der Wind sich rasch wieder afs Ohr gelegte. Das Spielchen ging so einige Male hin und her, also, Segel rauf, Segel runter. Nach rund dreimaligem Versuch haben wir es dann aufgegeben. So knatterte die Maschine wieder ihr Lied vor sich hin.

 

Besondere Vorsicht war in dieser Nach in Höhe des Isselmeeres der Niederlande geboten, da wir hier das von Süden nach Norden verlaufende Verkehrstrennungsgebiet kreuzen mussten. Hier gibt es einige Bojen und Ölplattformen. Außerdem ist es Vorgeschieben, die Kreuzung im rechten Winkel vorzuznehmen. Das fällt schwer, wenn der eigene Kurs eigentlich einen anderen Winkel vorschreibt und ein Umweg in Kauf genommen werden muss.

 

Von der Wache einer Plattform wurden wir plötzlich über UKW-Funk angesprochen. Man hatte uns freundlich gebeten einen Mindestabstand von einer Meile einzuhalten. Ich glaube das hier Gas gefördert wird.

 

Hafen von Harwich

Am 27.06. um die Zeit des zweiten Frühstücks war es dann mit der Ruhe vorbei. Der Wind wehte kräftig von Westen her auf und wir setzten volle Segel. Mit bis zu 9,5 knoten kamen wir teilweise voran. Ein Blick auf das Barometer ließ aber nichts Giutes verheißen. Der Wind drehe nun mehr und mehr gen Süden (S) bzw. Süd/West (S/W).

 

Als sich dann auch der Strom gegen uns richtete, baute sich eine recht unanangenehme Welle auf und wir "knallten" beinahe von einem Tal ins Andere. Nach dem ersten Reff folgte sogleich das Zweite. Die Genua tauschten wir gegen die Kutterfock aus. Die Gischt bließ uns mit jeder Minute stärker werdend um die Nase. Von nun noch ca. 7 Knoten fahrend wurden wir von den immer höher werdenden Wellen regelmäßig auf bis zu 2,5 Knoten über Grund heruntergebremst.

 

Was Tun? Bis Ramsgate durchziehen? Ein Blick auf den soeben über KW reingekommenen Wetterbericht half uns gehörig bei unserer Entscheidungsfindung. Wind mit 6 - 7 Bft von S - S/W. In Böen is 8 Bft..

 

Kursänderung nach Harwich - ja, wass sollen wir uns noch weitere 90 Meilen gegen die Natur stellen. Jawoll, wir biegen ab nach Harwich!

 

 

Kursänderung nach Harwich (anstatt Ramsgate) wegen aufkommendem Starkwind u. Strom aus der Gegenrichtung

 

 

Am Abend des 27.06. fuhren wir bei einbrechender Dunkelheit um den Wellenbrecher der Hafeneinfahrt von Harwich in den Orwell River hinein, wo auch unsere neu gewonnenen Freunde Dietmar und Katja von der SY Summer ca. 2 Wochen zuvor eingelaufen waren.

 

Das Getöse, welches uns bereits seit mehreren Stunden umgab, wich einem glatten, von einer leichten Briese überzogenem Ententeil.

 

Uff, geschafft!

 

Situationen wie die der letzten Stunden gibt es immer wieder mal bei längeren Segeltouren. Der Schweregrad, der letztlich die leckere Suppe quasi zum unschmackhaften salzigen Etwas lassen wurde, ist, dass uns ca. drei Meilen vor Harwich, da wo etliche Flachwasserstellen, Fischernetze- und Reusen sowie unzähliche Bojen anzutreffen sind, unsere Navigation plötzlich ihren Geist aufgab. Plötzlich, aus heiterem Himmel stehst du mitten auf dem Marktplatz ohne Hose da. Welch ein Grauß!!! Gleichzeitig frischte der Wind derart auf, das wir das dritte Reff setzen mussten, um die starke Krängung zu entschärfen.

 

Umringt von Bojen, Fischernetzen und Flachwasserstellen, bei bis zu 4 Meter hohen Wellen. Gischt die dir um die Nase spritzt, und an den Socken wieder heraus läuft ... .

 

Glücklicherweise liegt für solche Situationen immer ein Hand-GPS-Gerät griffbereit. Rasch haben wir es eingeschaltet, und uns nach Neujustierung der Segel damit am Tonnenstrich Richtung Hafeneinfahrt gehangelt. Dabei hätten wir noch beinahe eine Radarboje, die, und das muss man sich einmal vorstellen, pechschwarz war, und mit dem Körper nur ca. 30 cm aus dem Wasser ragte. Die darauf befindliche dünne Stabantenne hatte zwar ein klitzekleines Lichtlein am Top. Doch dieses war bei der einbrechenden Dämmerung einfach nicht wahrzunehmen - echt Schwein gehabt, dass es nicht gekracht hat.

Yachthafen Stratton Hall

Ein schönes Geburtstaggeschenk!!!

 

Am 28.06. ist mein Geburtstag!

 

Wir sind unversehrt in England angekommen. Ja, ein schönes Geschenk!

 

Als wir in den kleinen Yachthafen Stratton Hall zwischen Harwich und Ipswich einliefen, war es stockdunkel und ein leichter Nebel war zwischenzeitlich aufgezogen, was die Sicht erheblich erschwerte.

 

Gregor drückte ich einen Halogenscheinwerfer in die Hand, um mir damit den Weg in die nur ca. 6 m breite Hafeneinfahrt auszuleuchten. Der erste Lichtstrahl traf mich mitten zwischen den Augen. Plötzlich war ich blind. Als die Sicht nach mehreren Sekunden wieder zurückkehrte, machte ich direkt vor unserer Nase einen dicken, hohen Pfahl aus. Vollgas zurück! Man, pennt der da vorne?!

 

Um Haaresbreite haben wir den Pfosten verfehlt. Wie kann man aber auch im Land des ständigen Nebels solche Dinger ohne Beleuchtung vor die Hafeneinfahrt setzen?!

 

Sodann schlichen wir in der Dunkelheit wie auf Diebessohlen durch die Hafenmohle Richtung Anleger. Glücklicherweise war gleich der erste Platz frei, an dem wir sogleich die Leinen verzurrten und nun endlich "save" das Anlegerbier in uns hinein zu spülen begannen.

 

Die Erschöpfung wich der Freude es geschafft zu haben. Sogleich passe deshalb auch noch ein zweites Bier rein (das Erste schien auf dem Weg in den Magen irgendwie verdampft zu sein), bevor wir hundemüde in die Kojen vielen.

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© Martin Plassonke