25.09.2016 - Lagos

Von Sagres nach Lagos 16 SM

Bereits um 08:00 Uhr waren wir putzmunter. Obwohl Sagres nur 16 SM von Lagos Lagos entfernt liegt, fühlten wir uns, als müssten wir uns irgendwie beeilen. Eine Erklärung fanden wir dafür nicht.

 

Also noch vor dem Frühstück rein mit Goofy ins Schlauchboot und auf zur Pinkel und Joggingtour. Wieder kamen wir an dem heruntergekommenen Schlauchboot vorbei, nahmen aber keine weitere Notiz davon, warum auch. 

 

Am Anleger angekommen fühlten wir uns schon wieder in Eile. Rasch animierten wir Goofy sein Geschäft zu erledigen. Er wollte sich aber nicht darauf einlassen. Die Nase scheint immer ein geswisses Kontingent an Schnüffelei zu brauchen, bevor es los gehen kann.

 

Nach rund dreißig eiligen Minuten waren wir wieder beim Schlauchboot. Auf dem Weg zurück fiel uns auf, dass das graue Schlauchboot nicht mehr am gewohnten Platz lag. "Hat sich doch noch jemand damit aufs Wasser getraut", scherzten wir vor uns hin.

 

Bei GANESCHA angekommen, hatten wir immer noch das Gefühl der Eile im Nacken. "Komm, lass uns unterwegs Frühstücken, die See ist total glatt und wir segeln bei dem seichten Wind nur mit der Genua".

 

Während wir uns im Cockpit unterhielten, sahen wir plötzlich dicke Blasen um GANESCHA herum aufsteigen. "Sumpfgase, das sind Sumpfgase". Quatsch, hier doch nicht". Ja, was dann? Wir haben hier doch keine Vulkanaktivität, oder"? "Nein, das auch nicht". "Aber was dann"?

 

Das Blubbern ging weiter, nun mehr am Bug entlang. Und plötzlich dämmerte es mir. "Du, da taucht jemand! Und, ich sage dir, bei so viel Blasen wie dort aufsteigen, ist da einer richtig am Schaffen. Bei einem entspannten Tauchgang steigen nur halb so viele Blasen auf"!

 

Ohne auch nur noch ein Wort zu verlieren warf ich den Motor an. Das schien den "Eindringling" zu stören. Rasch entfernten sich die Blasen in südöstlicher Richtung zur Hafenmauer.

 

Verblüfft sahen wir uns an. "Da hat jemand unter uns getaucht"! Für das Warum und Weshalb fanden wir keine Antwort. Überlegten auch nicht lange. "Komm, hol den Anker auf und lass uns hier abhauen" sagte ich zu Violetta.

 

Sie ging nach Vorne und bediente die Ankerwinde. Hinten am Motorschalthebel konnte ich bemerken, dass wir vorne eintauchten. Gleichzeitig schaute Violetta zurück und meinte: "Geht nicht"! Den Finger dabei immer noch auf dem Winschenschalter. "Stoooopp, stoooopp"! "Waaas"? "Stopp, verdammte Scheiße"!

 

Mittlerweile roch es verbrannt im Cockpit. Ich ahnte was los war. Sofort nach unten zur Hauptsicherung- u. Schalter für die Ankerwinsch. Er war heiß und stank fürchterlich. Sofort ausgeschaltet und nach vorne gerannt.

 

"Wie sieht's aus, was ist los, wir hängen doch, oder"?! "Ja", meinte Violetta sichtlich bewegt. "Ich habe die Kette nur rund 2 m rauf gekriegt, und dann ging nichts mehr"! "Ich gehe nach unten und schalte den Hauptschalter wieder ein. Hoffentlich geht er noch. Er schein angebrannt zu sein". Gesagt getan, eingeschaltet und wieder nach Vorne. Den Knopf gedrückt, die Winsch drehte sich  einmal und plötzlich war die Kette bombenstramm.

 

"Au weia, aber wieso denn das? Wir sind noch nicht am Anker und gedreht haben wir uns die Nacht auch nicht! Ich versuche uns los zu fahren! Mann, ich hab's: Da waren doch die Blasen unter uns. Ich sag dir was, dass waren die Taucher aus dem Ort, die sich einen Job erarbeiten wollten!" Denen werde ich den Spaß verderben"!

 

Ich ab nach hinten. Auf dem Weg noch: "Und wenn wir uns nicht frei fahren können, dann schnalle ich mir meine Flasche auf den Rücken und mache uns selber frei. Dann aber mal gute Nacht für die Jungs. Das gibt mindestens ein blaues Auge. Und", ich drehte mich zu Violetta zurück, "weißt du wer das war?! Ich sag's dir, die Jungs von dem verkommenen Schlauchboot, da gehe ich jede Wette ein". So verschwand ich am Steuerrad, legte den Motorschalthebel auf "Rückwärts", ließ das Steuer los,und ließ GANESCHA machen.

 

Und, siehe da, wir bewegten uns. Zunächst nur wenig, jedoch im Kreis, und weiter ging es, immer weiter im Kreis herum, bis plötzlich: Rrrrrruuuuummmps, wir quasi mit einem Satz 5 m rückwärts fuhren.

 

"JJJaaaa, jaaa, die Kette ist freiiiii", rief Violetta nach Achtern. Ich nahm den Gang raus, ging nach Vorn und ließ die Winsch vorsichtig Kette und Anker aufholen. "Uff, das ging ja noch mal gut"!

 

Beide zurück im Cockpit legte ich den Vorwärtsgang ein und wir fuhren Richtung Lagos. Doch was war das?! Keine hundert Meter entfernt, kurz vor der Hafenmauer: "Ach was sehen wir denn da"?! Das graue herunter gekommene Schlauchboot. Ein Mann saß im Boot, ein zweiter reichte seine Taucherflasche hoch zum Mann im Boot. Als er die Hände frei hatte, schlug er wild auf's Boot und fluchte lauthals dabei.

 

"Komm, die versenke ich. Den beiden haue ich so den Arsch voll, dass sie es ihr Leben nicht vergessen werden. Und das Drecksschlauchboot fahre ich zum Klumpen"! Die Nackenhaare standen mir zu Berge. Auch Goofy war deutlich in "Hab-Acht-Stellung"!

 

"Lass das sein! Wenn du das machst, kannst du mich vorher an Land bringen. Lass die Jungs laufen, wer weiß wie die am Hungertuch nagen"! "Hm, vielleicht hast du recht. Lassen wir sie laufen, wenn dem wirklich so ist, wie du gesagt hast, und was ich nun auch vermute, sind die beiden vom Leben bereits genug gezeichnet. Jemand der zu solchen Mitteln greift, muss sich wohl in einer unschönen Lage befinden. Ok, lassen wir sie laufen"!

 

So zogen wir die Genua auf, und machten uns auf Richtung Lagos. "Lass uns mal Frühstücken" versuchte Violetta mich weiter zu beruhigen. "Ja, gute Idee. Ich gehe aber kurz mal nach unten, bin gleich wieder da". Unten angekommen stieg mir wieder ein beißender Geruch in die Nase. Au weia, das hatte ich bei der Aufregung ganz vergessen. Der Geruch stammte definitiv vom Hauptschalter der Ankerwinsch. 

 

Mein Blick ging wieder nach oben: "Tja, echt Scheiße, der Schalter hat's überstanden". "Welcher Schalter"? Na der Hauptschalter von der Winsch"! "Wieso das denn"? "Na, drei mal darfst du raten" "Nö, weiß nicht" "Ja weil du den Winschenschalter wie einzementiert gedrückt hast, obwohl die Winsch schon gestockt hat"! "Meinst du wirklich?" "Ja, das meine ich"! Mann, war ich sauer!

 

Und es war tatsächlich wie gesagt: Der Hauptschalter war verschmort. In Bootszubehör dei der Marina Lagos fanden wir glücklicher Weise Ersatz. Ich hätte den Jungs doch die Ohren lang ziehen, bzw. einen Denkzettel verpassen sollen, den der Spaß hat uns 125 Euro gekostet!!!

Marina Lagos - Richtung wegen besserer Ansicht verdreht

Beim Frühstück, das beinahe die ganze Fahrt andauerte, gab es viel Gesprächsstoff. Über Funk haben wir unsere Segelfreunde über den (Anker) Vorfall unterrichtet. Einigen stockte der Atem, wie sie uns später berichteten. "Das ist ja kaum zu glauben! Wie weit müssen die Jungs herrunter gekommen sein, um so etwas zu tun ..."!

 

An der Einfahrtsmündug zur Marina angekommen checkten wir erst einmal die Lage: Wasserstrand, Strömung, welcher UKW-Kanal zu Marina. Wir waren ca. 2 Stunden nach Niedrigwasser. Der Atlantik war glatt. Also hinein in die gute Stube.

 

Kaum in die Mündung eingefahren, kam uns ein Segler mit Volldampf entgegen. Manomann, hat der die Gardia im Nacken?! Mein Hals wurde länger und länger, war die Einfahrt doch nicht sehr breit. Einge Stellen haben Bojen, die Flachstellen makieren.

 

Fünf Minuten später erreichten wir den Anleger für Ankömmlinge. Vor uns parkte U2 Baby, und war gerade mit den Formalitäten fertig geworden. Wegen der einlaufenden Strömung parkten wir im großen Abstand. Zugegeben, echt wie Anfänger. Von Hand schifteten wir uns dann nach Vorn. Robby schmunzelte. Wir nicht, schäm.

 

Nach harter Verhandlung wegen der Bootslänge und somit dem Preis ging die vorgelagerte Hebebrücke auf (geht alle halbe Stunde von 07:00 bis 19:00 Uhr) und wir fuhren ein, in den Ort meiner Erinnerungen!

 

Was für ein Gefühl! Vor rund 35 Jahren kam ich hier zum ersten Mal mit einem alten Merci 220/8 in Begleitung meiner damaligen Freundin und später ersten Ehefrau an. Wir lagerten auf einem sandigen Campingplatz, hatten ein kleines Zwei-Mann-Zelt und kochten auf einer kleinen einflammigen Gasflamme. Was für eine unbeschwingliche Zeit, was für Erinnerungen. Rund sieben mal kam ich in den folgenden Jahren wieder hier her... .

 

Und nun, rund 28 Jahre nach meinem letzten Besuch: Nichts war wie früher. Der Ort kaum wieder zu erkennen. Natürlich war die Altstadt so geblieben, aber die Küstenlinie hat ihr Gesicht durch Menschenhand total verändert. Die Marina exitierte damals noch nicht, auch der Flusslauf wurde künstlich verändert. Doch, nicht zum Nachteil dieser nach wie vor romantischen Ortschaft. Ja, Lagos, ich liebe dich noch immer!!!

 

Die Marina Lagos ist ein wirkliches Prachtstück. Umringt von kerngesunden Palmen, Restaurants und Blick auf die Altstatt, die uch von wunderschönen Palmen gesäumt ist.

 

Hier kamen alle zusammen. Ein Großteil der Segler die wir auf der Herfahrt kennengelernt haben, fanden sich hier zum Stelldichein zusammen. Wie wunderbar, was für eine Atmosphäre. Oh Herr, lass es die Welt für alle so sein wie hier und jetzt!

Und bei so viel Happyness beschwerte sich niemand über den üblen Geruch, der uns in der Marina bei jeder Ebbe um die Nase lag.

 

Die Versorgung hier ist absolut einmalig. Ein riesieger Laden für Bootszubehör, reichlich Handwerker jeder Art. Ein deutscher Bäcker mit Brot und Kuchen vom Allerfeinsten. und naturlich frischer Fisch in allen Varianten.

 

Resümee: Lagos ist für uns der schönste Ort mit der schönsten Marina der Algarve und einem tollen Strand. Leider ist sich diese dessen bewusst, und fordert dementsprechend ihren Preis. Abgesehen davon können wir eine Reise hier hin mit allerbestem Gewissen empfehlen!

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© Martin Plassonke