29.06.2014

AUF NACH DOVER!

Rund 70 Seemeilen von Harwich nach Dover

 

 

Rund 70 Seemeilen haben wir uns für heute vorgenommen.

Unser Ziel: DOVER.

 

Der Wetterbericht lässt uns den Tag fröhlich beginnen. 4- 5 Bft aud W sind für den Tag gemeldet.

 

Nach dem leckeren Frühstück mit noch vorrätigem deutschen Vollkornbrot und von Gregor gezaubertem super gewürten Spiegeleiern (kochen kann der Bursche vorzüglich) machen wir uns zunächst auf zur Tankstelle. Als sich der Tank zu füllen schien, kam plötzlich eine Schaumfontäne aus dem Einfüllstutzen gesprudelt. Welch ein Glück, dass wir mit Tüchern drum herum Vorsorge getroffen haben und somit nichts in die Umwelt gelangen konnte.

 

Doch dem ersten Schreck folgte soglein der Zweite: Als mir der Sprit zum ersten mal unter die Augen kam, durchzog mich sogleich ein weiterer Schrecken - ROT, ROT, ja, der Diesel ist ROT!!!

 

Ja spinnen die denn hier?! Nicht geug das es hier praktisch dauernd regnet und auch auf der falschen Seite gefahren wird. Nein, die fahren auch noch mit Heizöl. Stell sich einer vor, wir fahren von hier aus zurück nach Deutschland. Ein gefundenes Fressen für den Zoll. Auf die Schlachtbank würde man uns tragen. Verbrecher - den deutschen Staat zu bescheißen ... .

 

In England ist der Treibstoff für Boote steuerbegünstigt. Um ihn entsprechend zu kennzeichnen wird er eingefärbt, wie bei uns das Heizöl. Ja muss es denn unbedingt ROT sein?! In Skandinavien wird er GRÜN eingefärbt.

 

Den Tankbeleg werden wir gut aufbewaren. Ob das etwas nützt ist fraglich. Vor zwei Jahren habe ich mit der Waschupo auf der Messe dieses Thema (wegen dem grünen Sprit aus Norwegen) gesprochen. Klares Fazit: Wenn du erwischt wirst, hast du für teueres Geld den Tank reinigen zu lassen. Eine schmerzhafte Geldbuße kommt noch oben drauf. Das darf man eigentlich keinem erzählen, oder?!

 

Um Kurz vor 9:00 Uhr warfen wir dann die Leinen los und schipperten mit ablaufendem Wasser den Orwell River gen Mündung herunter. Der Wind frischte auf, jedoch nicht genug um richtig voran zu kommen. So hissten wir die Genua und ließen die Maschine hilfsweise mit 1600 Umdrehungen mitlaufen.

 

So hangelten wir uns am Tonnenstrich zwischen den Flachwassergebieten durch. Nachdem wir SO-Kurs gelegt hatten, setzten wir das Groß und schalteten die Maschine aus.

 

Kurz vor der letzten Untiefe auf unserem Kurs shen wir ein Leuchtschiff, dass die Untiefe kennzeichnet. Wundersamer Weise lag es nicht auf dere in der Seekarte gekennzeichneten Position, sondern unmittelbar an der Flachstelle. Als wir näher kamen, schlichh es sich wieder zur in der Seekarte bezeichneten Position zurück. Was diesel handeln zu bedeuten hatte, wissen wir bis heute nicht.

 

Als wir der Untiefe auch ca. 0,5 Seemeilen näher gekommen waren, spürten wir eine sehr starke Abdrift. zunächst hielten wir mit 30 Grad Ruderlage der Strömung entgegen. Es half jedoch nichts. Unweigerlich kamen wir der Untiefe näher.

 

Die Situation verlangte, dass wir die Maschine erneut zur Hilfe nahmen. Mit einer Geschwindigkeit von rund 4,5 Knoten drückte uns die Strömung in Richtung der Untiefe.  Das Ruder nun mit rund 60 Grad Gegenlage und voller Maschinenkraft  entfernten wir uns langsam von der Gefahrenstelle.

 

Nachdem wir sie umrundet hatten, konnten wir erstmals unseren richtigen Kurs entlang der Küstenlinie aufnehmen. Bei rund 5,5 Bft kamen wir rasch voran und die Stimmung an Bord stieg zunehmend.

 

Nichts des to Trotz behielten wir das Barometer und die Wolken um uns herum im Auge. Das Funkgerät stelltenwir auf einen englischen Infokanal ein (dual watch; zwei Kanäle (169 gleichzeitig). Rund eine Stunde später kam der erste Bericht: Starkwindwarnung für das Seegebiet Themse, Ramsgate, Dover! 6 - 7 Bft soll es geben.

 

Wir bereiteten uns vor, obwohl die Wetterlage zunächst recht stabil erschien. Nach rund einer weiteren Stunde bildeten sich über dem Festland dunkele Wolkenberge. Auf der Höhe der Landecke Ramsgate sackte der Wind urplötzlich in sich zusammen.

 

Ich rief Gregor zu, der mich total verwundert ansah. Sofort die Genua weg und das 2. Reff ins Groß!!! Nur mit Widerwillen wollte er meinem Ruf folgen. Mit Nachdruck machte ich im klar, dass dringende Eile geboten war. Zusammen refften wir die Seegel und starteten die Maschine - und das war auch gut so!

 

In diesem Moment, wir fuhren mit 6,5 Knoten, krachte urblötzlich wie aus dem Nichts eine Böe mit 35 Knoten (8 Bft) auf uns herein. Wir wurden derart auf die Seite gelegt, dass der Baum beinahe das Wasser berührte. Unter Deck machte sich ein heftiges Poltern breit.

 

Rund fünf Minuten dauerte das Schauspiel an, als der Wind sich wieder auf seine 5,5 Bft besann, und wir unter Kutterfock und erstem Reff wieder zügig voran kamen. Irgendwann drehte der Strom wieder mit ca. 1,5 Knoten gegen uns, was uns bei unserer Rauschefahrt aber kaum beeindrucken konnte.

 

Am Horizont tauchten mittlerweile immer mehr Frachtschiffe und Ausflugsdampfer, als auch Segelboote auf, die Ihren Kurs von Holland nach Dover zu nehmen schienen. Wir reihten uns irgendwann in die Verkehrslinie ein und wussten, Dover liegt nicht mehr fern. Zum frühen Abend erspähten wir dann mit dem Fernglas die Hafenmündung und kurz darauf die ersten Ansteuerungstonnen.

 

 

Dover Hafengebiet aus sicherer Entfernung

 

Rund eine halbe Meile vor Hafeneinfahrt meldeten wir uns über UKW-Funk bei der Hafenbehörte (Dover Port control) auf Kanal 74 an. Dieses ist wegen dem hohen Verkehrsaufkommens zwingend erforderlich. Wer hier einfährt ohne sich zu melden hat mitunter ein echtes Problem.

 

Wir bekamen Order, zunächst in sicherem Abstand so lange vor der Einfahrt  zu warten, bis ein Fährschiff vor uns eingefahren war. Schon nach wenigen Minuten erhilten wir die Einlaufgenehmigung. Mit zügiger Fahrt liefen wir ein und bogen nach Backbord (BB) hinter die riesige Schutzmauer des Hafens in das Jachthafen-Vorbecken ein.

 

Nachdem wir erneut mit der Hafenbeörde Kontakt aufnahmen, gekamen wir sogleich sehr freundlich die Zustimmung, gepaart von einer genauen Positionsangabe, die Nacht hier vor Anker zu liegen.

 

An der angenommenen Position angekommen, erreichte uns Port Control nocheinmal freundlich über Funk und teilte mit, dass wir nicht die richtige Poisition gefunden hatten. Wir korrigierten unser Versehen und ließen auf rund 3 Meter Wassertiefe bei Niedrigwasser den Anker fallen.

 

Danke - wieder haben wir ein recht tückenreiches Seegebiet schadlos gemeistert!

 

Innere (alte) Hafenmauer von Dover - hätte ich ja gerne mal bei Sonnenschein aufgenommen
Solche Gebilde lassen die Fantasie mit einem durchgehen - für unsere Enkel fehlen noch die Ritter - die finden wir aber noch, keine Bange
Das alte Fähramt Dover
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© Martin Plassonke