Porto 2014

Es ist uns ein großes Anliegen, dir  - PORTO - eine extra Kapitel zu widmen!

 

 

Eigentlich liegen uns große Städte eher nicht so recht, eigentlich!

 

Doch Porto, das ist keine Stadt im üblichen Sinne ...

PORTO, das ist Leben, Kunst und Poesie!

 

Ich weiß nicht warum, aber als wir unsere GANESCHA am Liegepatz verzurrt und mit Goofy einen Gang gemacht hatten, vielen wir wie erschlagen vor Müdigkeit in die Kojen. Nichts um uns herum schien wichtig. Dietmar und Katja legten an. Wir waren umrundet von vielen, auch deutschen Seglern, die wie wir Richtung Süden unterwegs waren. Das interessierte uns im Moment nicht die Bohne. Erst einmal schlafen, schlafen und nochmals schlafen.

 

Von diesem Gefühl getragen, schlichen wir uns die nächsten drei Tage immer nur in der Nähe der Marina herum. Auch um Kontakt zu anderen Seglern bemühten wir uns kaum. Wirklich seltsam. Auch Goofy schien wie von Blei belegt zu sein. Zum Gassi gehen mussten wir eher ihn, als er uns, schleppen. Letztendlich schoben wir es auf den gerade anstehenden Neumond! Warum ist man auch sonst einmal bärig drauf - und ein anderes mal total schlapp, wenn die äußeren Bedingungen doch eigentlich gleich zu sein scheinen?!

 

Zu guter Letzt rafften wir uns nach der eben erwähnten schlappen Startpfhase doch auf, und gingen wieder unserem gewohnten Seglerleben nach. Also: Land und Leute, besonders das mach das Segeln ja aus.

 

Plötzlich schienen die Ereignisse sich förmlich zu überschlagen: Erfahrungsaustausch - Klappe die 1. 2. 3. usw., Neuankömmlinge, welche die weiter wollten, gemeinsame Restaurantbesuche, Reparaturen am eigenen Schiff und an anderen, die Homepage, Scheiße der Computer im Ar..., die W-Lanantenne kaputt, die nächste Partie, und und und.

 

Wow, wer hätte das gedacht?! Welch ein Trubel, welch ein Feiern. Erst nach rund einer Woche kamen wir dazu, unsere Fahrräder auszupacken und Richtung Stadt zu radeln.

 

Oh Mann, welch ein Zauber!!! Der Weg führte uns entlang des Rio Douro. Dort saßen alt und jung, Angler und Verliebte. Je mehr wir uns der Stadt näherten, so größer wurden unsere Augen. Welch ein Zauber, welch wunderbarer Anblick. Wir konnten uns einfach nicht satt sehen.

 

Und plötzlich, wie aus heiterm Himmel, lag sie plötzlich in unserem Blick, noch ca. 500m entfernt: Die wunderschöne alte Stahl-Bogen-Brücke, die Brücke, die auch der Hand des Gestalters des Eifelturmes und der Brücke in Viana do Castello endstanden sein soll - die "Luis I Brücke" über den Rio Douro!

 

Es dauerte aber noch eine Weile, bis wir direkt vor ihr Standen. Immer noch am Ufer entlang reihte sich ein Restaurant an das andere. Dichter und dichter, mehr und mehr. Immer wieder wurden wir zum Platz nehmen angesprochen. Es mag als störend empfunden werden: Es gehört aber einfach dazu. Mit einem freundlichen "Obrigad" treten die Animateure in der Regel sogleich einen Schritt zurück und lassen dich mit einem "Bon Dia" des Weges ziehen.

 

Noch rund 100m die Straße rauf. Dann hatten wir es geschafft: Welch ein Treiben welch eine Atmosphäre! Junge Burschen eiferten um Ansehen und Mädchen, indem sie Mutsprünge in den Fluss wagten. Hindurch zwischen den dahin fahrenden Booten. Je dichter je mehr Ansehen. Hunderte Passanten verfolgten das Schauspiel und klatschten Beifall oder begleiteten einen waghalsigen Sprung mit einem ohhhh oder woooooow!

 

Das Leben in der Stadt pulsiert. Eine Augenweide, eine Skulptur oder ein schönes Kunstwerk oder Gebäude reiht sich an das andere. Die Zahnradbahn rattert nahe der Brücke den Berg in Richtung Innenstadt hinauf. 

 

Am nächsten Tag wollten wir die Stadt zu Fuß erobern. An der wenige hundert Meter Landeinwärts liegenden Hochbrücke für Zug und Autoverkehr wurden wir jedoch jäh gestoppt!

 

Einige Dutzend Personen starrten zur Brücke hinauf. zunächst lautlos. Im Fluß, praktisch unter der Brücke befanden sich Polizeiboote, die den Durchgansverkehr zu Wasser stoppten. Wir sahen auch nach Oben und wollten es nicht glauben: Ein junger Mann stand am Geländer, wohl mit der Absicht seinem Leben ein Ende zu setzen. Polizisten waren ungefähr auf 10 Meter an ihn heran gekommen und versuchten scheinbar ihn von seinem Vorhaben abzubringen. 

 

Als der junge Mann sich bewegte, richteten sich ihm von unten die Smartphone entgegen. Einige schienen ihn mit "spring doch" noch zu ermutigen. Selten habe ich mich so gegrämt, zur Gattung Mensch zu gehören. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll.

 

Zunächst waren wir wie versteinert. Dann sahen wir uns an, und setzten unseren Gang, ohne ein Wort gesprochen zu haben, fort. Doch kamen wir nicht weit. Zu sehr waren wir von der Situation gefesselt. Wir müssen doch irgend etwas tun. So gingen wir die wenigen Schritte zurück und schauten weiter nach oben. 

 

Die Rufe der Passanten waren glücklicher Weise verstummt. Doch plötzlich wendete sich der todeskandidat von dem nun noch näher herangekommenen Polizeibeamten ab. Die Körpersprache verriet seine Entschlossenheit. Ich sagte zu Violetta: "Komm, wir müssen gehen, es ist vorbei"! "aber", ich nahm sie bei der Hand, wir richteten unsere Blicke nach Vorn und setzten zum erten Schritt an, als wir den Aufschlag auf dem Wasser vernehmen konnten.

 

Der Junge Mann hatte sein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Alle Bemühungen der Beamten blieben erfolglos - leider!!!

 

Kreidebleich gingen wir zurück Richtung Marina. Nicht ein Wort wollte uns über die Lippen kommen. Plötzlich, obwohl der Weg eindeutig war, wussten wir nicht mehr so recht wo wir waren. So verwirrt hatte uns das, was sich gerade abgespielt hatte.

 

Wir nahmen uns fest in die Arme und vereilten einige Zeit an Ort und Stelle. Auch die vielen Menschen um uns herum hüllten sich nun in Schweigen. Ich weiß nicht, wie lange wir so gestanden sind, es fehlte uns jedwedes Zeitgefühl.

 

Also wir wieder etwas zu unsgekommen und unsere Orientierung wieder gefunden hatten, gingen wir schweigend Richtung Marina. Wir konnten es immer noch nicht fassen. Auch weiß ich nicht warum es uns ca. 100m weiter in einen Shop für Bootszubehör zog. Aber wir gingen, ohne einen Grund dafür zu kenn, hinein.

 

Der Verkäufer sprach uns sogleich in klarem English an, und sofort platzte es aus mir heraus. Mit eiligen Worten berichtete ich ihm, was wir gerade erlebt hatten. Erstaunlicher Weise blieb der Mann ganz ruhig, während ich aufgeregt sprach und gestikulierte. Er ließ mich aussprechen und antwortete wie ich es nicht zu glauben vermochte, in einer Ruhe, die mir schon unheimlich erschien:

 

"Wissen sie", so begann er, "ich war als Sozialarbeiter und Ausbilder viele jahre in vielen Ländern Europas tätig und habe dabei vieles dieser Art erlebt. Bis der Tag kam, an dem ich es nicht mehr ausgehalten habe. So habe ich mich zurück gezogen und mir dieses kleine Geschäft zugelegt, in der Hoffnung, nun nicht mehr solche Dinge erleben zu müssen. Nun, seit Beginn der Börsentalfahrten geschieht beinahe ein bis zwei mal im Monat, ja manchmal sogar in der Woche so etwas. Und wissen Sie, plötzlich berührt es mich nicht mehr... !"

 

Immer noch ohne Fassung fragte ich ihn aufgeregt: "Ja warum tun die Menschen das"? Ich kann es ihnen sagen: "Die Meisten, von denen ich weiß, haben an der Börse ihr ganzes Vermögen verloren. Und oft nicht nur ihr eigenes. Viele haben Mama, Papa, Oma und den Rest der Familie angepump, und auch deren Erspartes und manchmal auch alles Hab und Gut in Aktien gesteckt. Dabei haben sie ihren Angehörigen große Reichtümer versprochen. Das Ergebnis dieses Handels zeigt sich dann eben nicht selten an dieser Brücke...".

 

Mit gesenktem Haupt verließen wir nach einem kurzen Händedruck den Laden. Nicht in der Lage auch nur ein einziges Wort zu erwidern. An unserem schwimmenden Zuhause angekommen, versteckten wir uns für den Rest des Tages unter Deck. Wenn Goofy nicht gewesen wäre, hätten uns warscheinlich auch am nächsten Tag keine zehn Pferde vor die Tür gebracht. Aber das Leben geht weiter - Gott sei Dank! ...

... Für den heutigen Tag hatten wir uns im Marina Büro für den kostenlosen Transit zur Stadt und verschiedenen Sehenswürdigkeiten sowie zu diversen Shoppingcentern angemeldet. Unser Ziel: Das Große Shoppingzenter "El Corte Ingles".

Hier gibt es alles was das Herz begehrt: Kleidung, Düfte, Schmuck, Technik, Musik, Lebensmittel Kaffee u. Kuchen, ein Restaurant u.v.m.. Besonders "Mädchen" geht hier richtig das Herz auf!

 

Während Violetta mit der neuesten Mode beschäftigte, suchte ich den direkten Weg zur Technik, kam aber nur bis zur Musikabteilung. Es lief ein Musikstück, das ich noch nicht kannte, mir aber sehr gut gefiel. Sofort kam ich mit dem Verkäufer, der Mitte bis Ende 40 zu sein schien, ins Gespräch. Was für ein Segen: Der Mann hatte eine wunderbar angenehme Art etwas zu erklären.

 

Schon bald fanden wir heraus, dass wir einen ähnlichen Musikgeschmack hatten. Die Zeit und die Geschehnisse des Vortages hatte ich vergessen.

 

Sowohl der Verkäufer als auch ich hatten das Gefühl, für einen Moment dieser Welt entschwunden, und vollends in die Musikwelt eingetaucht zu sein. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Dieser Moment hatte mich sehr aus den Gedanken an die Ereignisse des Vortages heraus geholt, und mir einen Menschen gezeigt, der voller Gefühle und großartiger Liebe für die Musik und seine Arbeit steckte. Einen Menschen, dem man nicht alle Tage begegnet... .

 

Nach rund zwei Stunden zog mich Violetta an den Haaren aus der Abteilung. Rund 15 CD's hatte ich in meinem Säckel.

 

Danke!

 

Nach einem gemeinsamen Tässchen Kaffee und Stückchen Kuchen machten wir uns sogleich wieder auf den Weg zurück zur Marina, weil wir unseren lieben Goofy an Bord gelassen haben. Unser schlechtes Gewissen verflog aber sogleich, da er immer noch keine große Lust zu haben schien, etwas zu unternehmen. Erst am Abend gab er Zeichen, nun mal vor die Tür gehen zu wollen. Und das taten wir dann auch.

 

In den nächsten Tagen gingen wir mehrere Male in Richtung Innenstadt. Sehr gefallen hat uns dabei die Fahrt mit der Fähre, die rund 300m östlich der Marina über den Rio Douro geht. Gleich auf der anderen Seite fährt dann eine altertümliche, sehr romantische Straßenbahn bis in die Innenstadt. Diese Tour können wir wärmstens empfehlen!

Schnell gingen die Tage ins Land, und abgesehen von dem "Überdfall" bei unserer Ankunft können wir eigentlich nur gutes über unseren Aufenthalt hier berichten. Wie auch in Galizien ist das Personal hier überaus bemüht und nett. Von Seiten eines Technikers bekam ich bezüglich unser ewig anfälligen Navigationsanlage einen entscheidenen Hinweis, der uns letztendlich GLÜCHLICH zu einer komplett neuen Anlage führte,ohne an dieser Stelle auf die Einzelheiten eingehen zu wollen!

Mehr als zwei Stunden war er mit einem Helfer bei uns an Bord. Die Firma wollte uns nicht einen Cent dafür berechnen!!!

 

So Luden wir kurzum den Geschäftsführer, seine Ehefrau und die Mitarbeiter, die zuvor unsere Anlage untersucht hatten, zum Essen in ein Restaurant ein, wo wir einen super netten Abend miteinander verbrachten. Danke Jungs, ihr habt uns sehr geholfen!!!

 

Am nächsten Tag machten wir uns auf, unserere GANESCHA für die nächste Etappe klar zu machen. Mit Katja von der SY Summer grollten wir über den WLan Router, der sich patu nicht konfigurieren lassen wollte....

 

Kann ein Vogel mit einem Satz rund EIN KILO Kacke abfeuern? ...

 

... Als uns dann auch noch ein so zu sagen ein "mutierter MÖWENSCHISS" auf dem Bimini traf,  waren wir erst einmal wieder bedient. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen, und wohl auch noch nicht gerochen! Die bereits zu verwesen scheinende Kacke hatte sich auch über die Solarzellen, das Schlauchboot, Sprayhood usw. usw. ausgebreitet. Es bedurfte weit mehr als eine Stunde die Sache auch nur halbwegs in den Griff zu bekommen. Mal abgesehen von dem erbärmlichen Gestank den das Zeug mit sich brachte. Den Fleck auf dem Bimini haben wir nie richtig runter bekommen.

 

Zum Glück gingen wir Abends mit einer riesiegen Seglermeute in ein nahe liegendes Restaurant, wo es super leckeren frischen Fisch vom Grill und einen Humpen nach dem Anderen Wein gab, was den Tag letztendlich lustig ausklingen ließ.

Was mir zu diesem Revier noch einfällt ist folgendes: Nicht selten kamen, obwohl Anfang August, urplötzlich dicke Nebelbänke von See heran und hüllten uns förmlich ein. Die Mitarbeiter der Marina meinten, dass es für diese Jahreszeit recht ungewöhnlich sei, und "El Ninjo" als Ursache dafür sehen. Bei der Dichte des Nebels sollte man weder rein- noch raus fahren!

Auch dem Mündungsgebiet des Douros sollte BESONDERS BEI ABLAUFENDEM WASSER große Aufmerksamkeit entgegen gebracht, werden! Lieber draußen oder drinnen bleiben, als in der Mündung quer zu schlagen!!! Nur soviel dazu. ...

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© Martin Plassonke