Von Porto Santo nach Madeira

Von Porto Santo nach Quinta do Lorde - Madeira - 29 SM

Logge bei Ankunft: 692 SM

Logge bei Abfahrt: 663 SM

Distanz: 29 SM

Motor: 896 h

 

11.10. - 11:00 Uhr

 

Nun war es an der Zeit zu gehen.

 

Rund eine Woche länger als geplant waren wir wegen der schlechten Wetterbedingungen auf Porto Santo geblieben. Nun gab es aber kein Halten mehr. Noch immer sollten die Wellen von dem noch immer vorherschenden Sturm um die Azoren bis zu drei Meter hoch sein. Kein Vergnügen für Violetta, nein, eigentlich für niemanden.

 

Zwei Tage zuvor hatte ein anderes Boot den Absprung versucht, kehrte aber nach zwei Stunden wieder in den Hafen zurück. Die Crew war entnervt: "Das hält keiner lange durch"! Die Manschaft wollte gleich zu den Kanaren rüber (ca. 270 SM).

 

Wir hatten nur ca. 28 SM vor uns. Einen Tag zuvor haben sich Jörg, Kathrin und Junior Vincent mit der SY VIA auf den Weg gemacht und sind gut angekommen. Echt gut drauf die Truppe.

 

Bei praktisch gleichen Bedingungen wie zwei Tage zuvor sind wir dann los. Zunächst in Abdeckung der Insel. Es war böig aber nicht wellig. Rasch hatten wir 6,5 Knoten Fahrt. Dann wieder Landabdeckung und auf 4,5 Knoten ging es runter. Biestig waren die Böen, die ab und an durch die Berglücken donnerten. Doch wir waren mit dem 2. Reff und der gesetzten Kutterfock gut  darauf vorbereitet.

 

Nachdem wir den Südwestlichen Zipfel von der Insel passiert hatten, setzte zunehmende Schwell ein. Rund eine Stunde konnte Violetta an Deck verbringen. Dann rumorte es wieder in ihrer Magengegend und sie musste sich mit geschlossenen Augen in die Koje legen. Geschlossene Augen deswegen erwähnt, weil sich der Übelkeit verursachende Botenstoff dann besser abbauen soll.

 

Um das Schwojen durch die schwäg achterlich aufkommenden Wellen so gering wie möglich zu halten, habe ich von Hand gesteuert. Mittlerweile liefen wir mehr als 7 Knoten. Und mir fing es an einen riesen Spaß zu machen.

 

Nachdem wir uns weit genug von Porto Santo entfernt hatten und keine Windablenkung von dort mehr zu befürchten war, nahm ich die kleinere Kutterfock rein und hisste die Genua. Was ein Spaß. Im 2. Reff im Großsegel und der Genua liefen wir nun bis zu 8,5- und die Wellenberge runter bis 9 Knoten. GANESCHA rauchte somit wesentlich stabiler durch die Wellen als mit langsamer Fahrt, was besonders Violetta sehr gelegen kam.

 

So rauschten wir dahin. Manchmal das Groß im ersten Reff, dann wieder im Zweiten. Drei mal habe ich aus- und eingefefft. So blieben wir bei rauschiger Fahrt, ohne was zu riskieren.

 

Rund drei Meilen vor Madeira setzte dann aber wieder eine durch die Windablenkung bedingte "Düse" ein, und das zweite Reff ging wieder ins Groß. Bei weiterem Näherkommen verkleinerte ich auch die Genua ins erste Reff.

 

So umrundeten wir mit noch rund 7 Knoten den SO-Zipfel von Madeira. Echt irre dabei war zu vernehmen, dass der Wind uns bei Umrundung eigentlich auf die Nase gekommen müsste. Aber das tat er nicht. Er umschlung die  Felsen und wir konnten hoch am Wind Richtung Quinta do Lorde segeln.

 

Violetta ging es nach abflauen der Welklen nach der "Zipfelumrundung" entschieden besser und packte im Cockpit wieder mit an. Da wir nicht direkt auf die Marina zusteuern konnten, zischten wir zunächst an ihr vorbei, nahmen wegen der zwischenzeitlich zunehmenden Böen die Geua weg und holten die Kutterfock wieder hervor. Ungefähr querab zur Marina dann die Wende, direkt auf die Tore zu.

 

Man, ist das toll. Endlich mal ohne hinzunahme der Maschine von Tor zu Tor. Das hatte es in der Vergangernheit selten gegeben. Eine gewisse Euphorie machte sich breit.

 

Boooooom machte es plötzlich und ich war wieder wach.  Zwischen den Berghügeln hindurch hatte es eine unglaubliche Böe mit satten 40 Knoten auf und abgesehen. Man, was hat das gerumst. Sofort lagen wir mit ca. 50 Grad auf der Backe. Das Steuer rumgerissen, GANESCHA in den Wind gedreht. So schnell wie die Böe gekommen war, bist du nicht an den Schoten. Auch auf dem Wasser hat sie ihr Kommen nicht ein kleines Bisschen angekündigt. Uff, alles heile geblieben. Noch mal Glück gehabt!

 

An der Hafenmauer angekommen nahmen wir die Segel runter. Sogleich näherte sich ein motoriesiertes Schlauchboot. Ein Hafenmitarbeiter (Marinero) wollte uns einen Platz zuweisen und beim Anlegen behilflich sein. Oh nein, ob das gut geht. Bisher hatten wir keine guten Erfahrungen mit solcher Hilfestellung gehabt. Zu sehr sind Violetta und ich bei Anlegemanövern eingespielt. Und bei starken Winden brauchst du all deine Sinne. Fremde Hilfe lenkt dich ab und stört somit oft nur.

 

Nun, wir sahen uns an: "Es sind Böen von bis zu 25 Knoten, sollen sie uns lieber zur Hand gehen".  Nachdem wir Fender draußen und die Segel geborgen hatten, tasteten wir uns langsam in den Hafen vor. Zu dicht an die Hafenmauer durften wir nicht kommen. Dicke unter Wasser befindliche Steine schützten die Mauer - auch von der Innenseite!

 

Wow, die Böen krachten über uns hinweg und schoben uns in den Hafen hinein, was uns nicht wirklich lieb war. Der Marinero bog nach BB ab und bat uns ihm zu folgen. Au Backe, was ist das denn. Zwischen den gegenüberliegenden Stegen war kaum mehr Platz als unsere GANESCHA lang ist.

 

Wow, scheiße, und was ist das?! Eine riesige Motoryacht ragte in unsere Richtung. Das war aber nicht unbedingt das Problem. Aber sie hatte Ihre Ankerkette bis in das Fahrwasser ausgelegt, und unserem Kiel leicht zum Verhängnis werden können. Und damit begann der Spuk:

Schnurstracks musste ich aufstoppen. Und genau das ist ein Vorgang, den du dir in einer engen Marina bei Böen mit bis zu 25 Knoten am wenigsten wünscht. Denn du bist plötzlich praktisch manövrierunfähig, weil dein Ruderblatt nicht mehr vom Fahtwasser umströmt wir.

 

Das Bugstrahlruder war gegen den Wind machtlos. Maschine rückärts. Wegen dem "Schraubenversatz" (Radwirkung) ging das Heck in Richtung Ankerkette. Nach ziegmaligem Hin- und Her waren wir um die Kette rum. Aufatmen. Nein! Plötzlich sah ich die dicken Felsen unter Wasser. Au Backe, das Ruderblatt. Maschine voraus.. Gerade nochmal gut gegangen.

 

Dann weiter in die Marina rein, gedreht und einen neuen Anlauf. Sah erst ganz gut aus. Das die Gestikulierung der Marineros: Mach so, nein so, ja, gut so, nein, so. Man, ich hatte die Faches wiklich dick.

 

Nun, abgelenkt von dem Marineros, hatte ich meinen Fahrstil verlohren. GANESCHAS Nase ging durch den Wind und diewser nutzte seine Übermacht nun noch mehr gegen unser Bugstrahlruder und die flaschrum gerichtete Radwirkung.

 

Alsdann sahen die Marineros ihren Augenblick gekommen. Mittlerweile standen sie auf der Anlegezunge und stemmten sich mit aller Kraft gegen die Bordwand. Das half uns wieder von der Kante des Anlegers frei zu kommen, sodass wir nun parallel zum Anleger kamen und die Leinen fest zurren konnten.

 

Jau, das war gut ausgegangen. Marineros und wir waren letztendlich bestens zufrieden. Ein herzlich warmer Händedruck besiegelte ein holpriges, aber doch gelungenes Anlegemaöver.

 

Jau, nun waren wir auf Madeira!  

 

Bilder folgen baldmöglichst. Erst einmal die Insel auskundschaften.

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© Martin Plassonke