Lanzarote 2015

Marina Lanzarote in Arrecife

 

04.11.2015

 

Nun liegen wir inmitten des Geschehens. Tatsächlich haben wir noch einen Liegeplatz bekommen. Wieder Schwein gehabt. Denn es ist Hochsaion!

 

Die "Marina Lanzarote" ist der Ort, in dem sich viele Segler zu ihrer alljährlich Atlantiküberquerung treffen, die vom berühmten Weltunsegler und Abenteurer Jimy Colonell, mit der Bezeichnung "Atlantik Odyssey", geführt und organisiert wird.

 

Was für ein Hasten und Gedränge. Aber nun, so geht es hier eben - jedes Jahr aufs Neue. Und wir mitten drin. Ein krasser Gegensatz zu unserem verträumten Aufenthalt auf "La Graciosa".

 

Nachdem wir angelegt, unsere GANESCHA sicher verurrt und im Hafenbüro einklariert hatten, wollten wir uns zunächst einen Überblick von der Situation verschaffen. Wir gingen von einem Steg zum anderen und konnten etliche Segler aus vielen Ländern begrüßen. Was für ein Gefühl. Permanent trieb es mit die Tränen in die Augen. 

 

Da waren sie nun, die Atlantik- und Weltumsegler. Und was war ich? Was mache ich dieses, nächstes Jahr. Werde ich eines Tages dazu gehören? Ja, das nennt man wohl "Klagen auf höchstem Niveau", oder?!

 

Ich will mich nicht über mein Leben oder sonst irgend etwas beklagen - nein! Aber in solchen Situationen kann ich meine Gefühle einfach nicht unterdrücken. OK, lassen wir es für heute erst einmal dabei, und kümmern uns um unser Vacuum im Bauch.

05.11. - 17.11.2015

 

Mit unseren Klapprädern gingen wir zunächst auf Erkundungstour. Auch wollten wir die großteils erschöpften Vorräte ein wenig auffrischen. An den Trubel, die vielen Menschen und Fahrzeuge mussten wir uns zunächst erst wieder etwas gewöhnen.

 

Auch die mit Schlaglöchern und kleinen Steinen übersäten Straßen Richtung Stadt waren echt gewöhnungsbedürftig. Vor allem mit einem nur 20 Zoll kleinen Rad! 

 

In der Innenstadt kann man sich aber recht wohl fühlen, besonders an dem malerischen Becken des kleinen und nur für kleine Motorboote geeigneten Stadthafens. Es ist von Palmen und Restaurants umringt und bietet eine gemütliche Atmosphäre.

 

Weiter Richtung Süden gelangten wir an die Strandpromenade, die sich über mehrere Hundert Meter mit weißem Sand erstreckt. Baden und Spaß haben ist hier angesagt.

 

Arrecife bietet quasi alles was das Herz begehrt. Jedwede Versorgungsmöglichkeiten bis hin zu praktisch allen Bootsteilen sind hier möglich. Vieles liegt direkt gegenüber der Marina und ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Eine Lydl Filiale liegt rund 10 Fahrradminuten NW der Marina den Berg rauf. Hier gibt es echt gutes Brot aus deutschen Landen.

 

In der Marina selbst gibt es einen kleinen, gut bestückten Supermarkt, (neu) einen Bootsausrüster, Restaurants, Kosmetik, Sonnenbrillen, Mode und einen echt fairen Autovermieter. 

 

Was wir in der Marina liegend allerdings ein wenig vermissen, ist die Nähe zur Natur. Mit dem Schlauchboot die Marina zu verlassen ist möglich, aber nicht empfehlenswert. 1,5 SM südlich bietet sich ein Ankerplatz, der recht geschützt, aber nicht selten überfüllt ist. ...

 

Fährhafen Arrecife
Ankerplatz vor Arrecife

 

Rund zwei Wochen lang beobachteten- und nahmen auch intensiv an den Vorbereitungen der Segler teil, die am 18.11. die Atlantiküberquerung anstrebten. Defekte Watermaker, fehlerhafte Navianlagen und Autopiloten, und alles, was halt noch so kaputt gehen kann, oder bis dato noch nicht erledigt war.

 

Viele Tage lag ich Kopf über in Kabelschächten, Motorräumen und unter Schaltpulten. Der Höhepunkt war ein praktisch nagelneuer 54 Fuß großer Katamaran der Marke Lagoon.  Hier streikte der Autopilot, und praktisch die gesamte Navigation vielfältig. Nach einem Ausschlussverfahren gingen wir mehrere Tage eine mögliche Fehlerquelle nach der anderen durch. Das man aber einen elektronischen Kompass nur 28 cm entfernt von einer elektrischen Toilette setzt, schlug quasi alles je erlebte - absolut unglaublich.

 

Die Crew und ihr Skipper Tobi nebst Frau und zwei kleinen lieben Töchtern waren oftmals am Boden zerstört. Der Kindergeburtstag musste quasi im Eilverfahren gefeiert werden. Da liefen die Vorbereitungskurse von Cornell. Die Sicherheitseinrichtungen, Defekte am Rig, mehrere Monteure, Einkäufe, die Einweisung der Crew, welche die Yacht zum ersten mal begleiten. Die To-Do-Liste schien einfach kein Ende nehmen zu wollen!

 

Lieber Tobi - lass ab von jedweden Zweifeln: Du hast trotz allem die Sache svorbildlich gemeistert! Und auch ein dickes Lob an deine Prinzessinnen: Sie haben dir bei allem mit großer Liebe beigestanden!

 

Die "INVICTUS" mit Crew

 

18.11.2015

 

Die Tage bis zum Startschuss der Atlantik-Regatta vergingen rasant. Und plötzlich war er da, der Tag X! Um ca. 11 Uhr warf eine Crew nach der anderen die Leinen in der Marina los, und eilte zum Startpunkt, der direkt vor der Kaimauer der Hafenanlage lag. Als Tobi mit seiner Crew die Box verließ, knallte es plötzlich wie ein Hammerschlag auf mich ein. Emotionaler Totalausfall! Man, was habe ich geheult! Seine Frau Nicole und die beiden Töchter fuhren mit dem Kameraboot hinterher. Sie wollten erst später mit dem Flieger nach kommen.

 

Zum Glück waren alle Blicke auf die ausfahrenden Yachten gerichtet. Es war mir aber auch egal. Nicht nur, dass ich erneut, wie auch im letzten Jahr, nur Zuschauer dieses Unterfangens war. Nein, wiederholt hatten wir Menschen getroffen, die uns tief im Inneren berührt haben. Menschen, mit denen wir viele wunderbare Stunden verbracht und viele Erfahrungen und Lebensgeschichten ausgetauscht haben.

 

Ja, ich muss zugeben: Der Abschied war auch in diesem Jahr nicht leicht!

 

Auf der oberen Südterasse der Hafenanlage konnten wir den wirklichen Start- der leicht verschoben - um 14:00 Uhr UTC stattfand, mit eigenen Augen verfolgen. Die Wetterbedingungen waren günstig, aber auch recht frisch... . 

 

Nach erfolgreichem Start gingen wir zurück zu unserer GANESCHA. Kurz darauf besuchte uns Nicole mit Ihren Töchtern. Das munterte insbesondere mich, und ich glaube auch unsere Besucher, enorm auf. Ja, liebe Nicole und meine lieben Prinzessinnen: Wir haben wirklich viel Spaß mit Euch gehabt! ...

 

Start der "Atlantik Odyssey"

 

Am Wochenende reiste dann auch Nicole mit ihren Töchtern zurück nach Deutschland. Ihr Lieben: Wir vermissen Euch sehr!

 

Die drei Prinzessinnen, Nicole, Marlene und Juliane

 

19.11. - 24.11.2015

 

Während des ganzen Trubels haben wir auch Elena und Wojtek Czyz in der Marina kennen gelernt. Beide waren Hochleistungssportler mit bahnbrechenden Erfolgen. Kurz vor Antritt in die Fußball Bundesliga hatte Wojtek bei einem Abschiedsspiel einen Unfall, welcher Ursache dafür war, dass man ihm ein Bein amputieren musste... !

 

Wojtek und Elena reisen nun mit Ihrem Katamaran zu armen Ländern, um bedürftigen Menschen ambulant "KOSTENLOS" Protesen zu fertigen!!!

 

Das hat uns wirklich umgehauen! Die beiden genießen unseren größten Respekt!

 

Wer sie unterstützen möchte, wofür wir uns an dieser Stelle einsetzen wollen, findet im Internet den Kontakt und weitere Informationen zu ihrer Arbeit. 

 

www.sailing4handicaps.de

 

(Bedauerlicher Weise sind uns weitere Fotos der Beiden durch einen Computerdefekt abhanden gekommen).

 

Fahrende bzw. segelnde Werkstatt von Wojtek und Elena
Ein Kämper, der nicht aufgeben mag! Bitte mach weiter so Wojtek!

 

Als dann auch noch Wojtek und Elena kurz vor ihrem Reiseantritt in die Karibik noch einmal nach Deutschland flogen, erschien uns die Marina plötzlich wie leer gefegt.

 

Was fangen wir denn nun mit uns an?!  Praktisch all die Zeit unserer Reise waren wir mit Seglern zusammen gekommen. Und plötzlich waren wir uns wie auf uns allein gestellt. Vorbei war die Hektik, vorbei waren aber auch die wunderbaren Begegnungen, die wir in den Tagen, Wochen und Monaten zuvor genossen hatten.

 

So nahmen wir uns einen Mietwagen, durchkreuzten die Insel und besuchten zunächst Chaly und seinen Kumpel Fernando in Arieta.

 

TO Stützpunktleiter "Chaly"

 

Später erkundeten wir den Süden der Insel, um "Playa Blanka" mit Rubicon herum. Wirklich ein wunderschönes Fleckchen Erde!

 

Die Marina ist ein Prachtstück. Auch in der Stadt Rubicon lässt es sich wunderbar aushalten. Sehr viel Gemütlichkeit und Ambiente. Da wir aber den Winter in Deutschland verbringen wollten, haben wir GANESCHA nicht hierher verlegt.

1. Wegen der höheren Liegegebühren, und

2. Ist die Marina in Arrecife bei schwerem Wetter einfach sicherer!

 

Marina Rubicon
... bevor es andere tun ...
Die Bar in der Marina nebst Marina Büro und Anleger für Ankömmlinge
Las Coloradas nordöstlich von Rubicon
Piste zur "Costa de Papagayo"
Bucht zum Träumen, Baden, Schnorcheln, Tauchen ...
Blick von "Papagayo nach Rubicon in der Dämmerung
Costa Papagayo am Abend
Romantik pur ...
Die Papagayo Bar - einfach und schön! Essen prima!

 

Nach diesen wunderbaren Erlebnissen und Exkursionen sind wir am 24.11. wieder nach Deutschland zurück geflogen.

 

Unser Aufenthalt auf Lanzarote 2015 geht hiermit zu Ende. Mal sehen was uns im Jahr 2016 hier und anderswo erwartet.

 

In tiefer Dankbarkeit, dass wir all das erleben durften, freuen wir uns auf die Weihnachtszeit mit unseren Familienangehörigen und Freunden, die schon gespannt auf unsere Reiseberichte warten.

 

Tschüss, an alle, und bis nächstes Jahr!

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© Martin Plassonke