12.11.2015 - Nachtrag:

 

Heute erfuhren wir, dass der (Dickschädel von) Norweger, der seinen Anker in Windrichtung anstatt gegen den Wind ausgebracht hatte, eines Morgens nach einer stürmischen Nacht sich inmitten des Hafenbeckens an seinem Anker hängend wieder gefunden hatte!

 

Die Landungsbrücke an der er (und wir zuvor zusammen mit ihm) festgemacht hatte, hing noch an seinem Boot. Sie war dem Zug der Ankerkette, die er laut anderer Segler nach unserer Abreise wieder stark durchgesetzt hatte, sowie dem Winddruck nicht gewachsen!

 

Es ist immer eine traurige Sache, wenn einem Mitsegler etwas passiert. Und wir fühlen jedesman richtig mit.

 

In diesem Fall aber, haben wir uns vor Lachen beinahe in die Hose gepinkelt!

 

SORRY - weiter kein Kommentar ...

Porto Santo

Insel für Träumer?!

 

Nach der raschen aber doch anstrengenden Überfahrt von Albufeira brauchten wir erst einmal eine große Pause. Mitten im Hafenbecken lagen wir nun vor Anker. Die Umgebung kümmerte uns zunächst nicht viel. Erst einmal ausschlafen!

 

Doch bevor wir zu Bett gingen, wollten wir doch noch rasch "Klar Schiff" machen. Also, das Deck von den übrig gebliebenen, übersehenen Tintenfisch-Kadavern befreien, die Tinte entfernen, sowie die Segel ordentlich einpacken.

 

So richtige Freude wollte sich dabei aber nicht so recht einstellen. Grau in Grau war die Umgebung, recht kühl, stark bewölkt. Die Berghänge schienen düster und nicht wirklich einladend. Hinzu kam, dass der Wind einen üblen, Gestank, der von der anliegenden Fabrik her wehte. So wie es aussah, war dort die Seewasserentsalzungsanlage, die wohl mit Schweröl betrieben wird. Kaum auszuhalten.

 

Sollte das nun die von Freunden hoch gelobte, wunderschöne "verträumte" Insel sein?! Wir konnten es kaum glauben. Das ist sicher nichts für uns hier. Man, ist das alles düster!!! Also, besser erst einmal in die Pofe. Mal sehen, wie es morgen aussieht...

 

Am nächsten Morgen lag uns immer noch ein übler Gestank in der Nase und auch in den Bronchen. Buh, hier hauen wir schnellstens wieder ab! Wie kann man das hier schön finden. Puh, dieser Gestank!

 

Nach dem Frühstück ab ins Schlauchboot und an Land. Zum Glück lichteten sich die Wolken ein wenig und wir bekamen die ersten Sonnenstrahlen zu spüren. Das tat schon mal gut. Im Zollbüro angekommen, scherzte der Zöllner indem er meinte, dass das Violettas Alter im Ausweis nicht stimmen könne. Was für ein Schamör. Aber es war wirklich lieb und wir haben gut gelacht.

 

Als wir sein Büro verschießen stand die Sonne prall am Himmel und wir gingen um die riesige Hafenmauer herum. Und nun: Ein riesiger Strand tat sich vor uns auf, mit kristallklarem Wasser und einer endlos scheinenden Bucht. Wir schauten uns an und schmunzelten. Wow, doch gar nicht so schlecht hier, oder?!

 

Eigentlich wollten wir uns ja nur erst einmal ein wenig umschauen. Doch plötzlich setzten sich unsere Beine in Bewegung und hörten nicht auf damit. Nach rund einer halben Stunde fanden wir uns in dem kleine Städchen wieder, in dem sich wohl ein Großteil des Insellebens abspielt.

 

Ja, es war gemütlich, einladend, freundlich und wirklich sehr nett. Ja, die Menschen hier sind wirklich ausgesprochen lieb, hilfsbereit und freundlich. Ja, genau so, wie man es sich immer wünscht, wie Menschen miteinander umgehen sollten.

 

Mehrere Tage verbrachten wir damit, die Gegend zu erkunden. Mal mit dem Fahrrad, mal zu Fuß. Die Einkäufe waren hier gut zu erledigen. Es gab einen mittelgroßen, gut sortierten Supermarkt sowie einen Kleineren, praktisch mit Familienanschluss. Die Preise waren in beiden erstaunlich günstig.

 

Aber auch der Atlantik hatte einiges zu bieten: Direkt hinter der Hafeneinfahrt habe ich einen Barakuda von 2,5 Kg mit der Angel gefangen. Der reichte erst einmal für ein paar Tage.

 

Die Zeit verging wie im Fluge. Viele nette Leute haben wir kennen gelernt. Da war z.B. Frank, Einhandsegler. Nein, stimmt nicht ganz. Er hatte zwei Katzen an Bord. "Karlos", ein schwarzer Kater begüßte uns freundlich wenn wir mal mit dem Schlauchboot rüber kamen. Nicht selten besuchte er uns auch bei uns an Bord, was uns immer eine große Freude bereitete. Die andere Mieze wollte sich patu nicht blicken lassen.

 

Nach einer Woche an der Kette zogen wir es vor, in der Marina fest zu machen. Starkwind aus SW war gemeldet und die Wellen würden ungebremst in das große Hafenbecken einlaufen. Und so ging es dann auch bald los. Die Fähre zwischen Porto Santo und Madeira hatte ihren Dienst bereits eingestellt. Wir brachten zusätzlich unseren Anker in Windrichtung aus. Nicht allein um uns vor dem starken Wind zu schützen. Nein! Unser Nachbar, ein Norweger, schien etwas nicht richtig verstanden zu haben. Er hatte seinen Anker in Windrichtung ausgelegt, und die Kette so straff gezogen, dass er dabei fast den ganzen Anleger, an dem wir mit ihm zusammen hingen, abgerissen hätte.

 

Man, wie blöd kann ein Mensch denn sein?! Ich hatte ihm höflich versucht die Sache klar zu machen. Ohne Erfolg. Ein Landsmann von ihm, von einem anderen Boot, hat es dann aber geschafft. Er hat die Kette tatsächlich ein wenig gefiert. Warum er den Anker aber in die Windrichtung anstatt dagegen gerichtet hatte wollte er uns aber nicht erklären.

 

Mit ihm und einigen seiner Landsleute die mit sehs Booten aufmaschiert waren hat es noch so einige uns unerklärliche Dinge zu erleben gegeben. Ich erspare mir an dieser Stelle aber die Einzelheiten, da mir ansonsten wohl doch noch der Kragen platzen könnte.

 

Rund drei Tage dauerte das Spektakel. Und so langsam wollten wir nun weiter nach Madeira. Die zwei Wochen hier haben uns gut getan. Ja, es war erholsam und wirklich schön. Haben nun aber auch gereicht.

 

Am Sonntag den 11.10. sind wir dann doch endlich los gekommen.

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© Martin Plassonke