Von Rubicon, Lanzarote nach Gran Tarajal, Fuerteventura

Rubicon - Gran Tarajal - 46 SM

Logge bei Ankunft: 1066 SM

Logge bei Abfahrt: 986 SM

Distanz: 20 SM

Motor: 904 h

 

Logge bei Ankunft:1276 SM

Logge bei Abfahrt: 1230 SM

Distanz: 46 SM

Motor: 977,9 h

 

08:30 Uhr ging der Anker auf. Das letzte Stück jedoch beschwerlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Ankerbügel hatte sich ein dicker Stein fest gesetzt. Da hatte die Winde doch zu Schaffen. 

 

Oben angekommen, wollte der Stein jedoch nicht sogleich weichen. Mit dem Bootshaken und dem rechten Anzugwinkel über den Ankerhalter plumpste es dann nach kräftigem Aushelbeln aber doch.

 

Nichts wie rein in die Marina - messen! Ja, für den Fall das wir einmal zurück kommen, wollten wir die Liegegegühr genannt bekommen. Die Bootspapiere reichen den Betreibern nicht. Sie wollen selber messen. Na gut, macht ja nichts - oder doch?!

 

Unser Geräteträger ragt rund 1 m über das Heck hinaus. Das hat bislag noch niemanden gestört, zumal wir rückwärts anlegen, und somit die Länge des Steges dementsprechend nicht belastet wird.

 

So aber wohl nicht in der Marina Rubicon. Sie wollen auch dafür etwas berappen. Ganze 6 Euro pro Tag brutto - für zwei kleine Rohre die in ca. 3,5 m Höhe 1 m über das Heck hinaus stehen, und niemanden, auch wirklich niemanden im geringsten stören!!!

 

Leicht gefrustet haben wir uns sogleich vom Acker gemacht. Erst einmal den Druck vom Kessel lassen. In den nächsten Tagen werden wir sehen, ob wir für die Röhrchen extra zahlen sollen. Uns bleibt ja dann die Wahl, ob wir das Angebot annehem... .

 

14 Kn Wind aus N. Genua u. Fock ausgebaumt und los. Wieder Richtung Lobos u. Fuerteventura, von wo wir jüngst gekommen waren. Die Wellen wurden mit jeder Meile höher, aber keineswegs dramatisch. Eine aus NW sogleich eine aus NO. Zwischen Lanzarote und Fuerteventura treffen Dünung und Windwellen von der Westseite und der Ostseite zusammen und tun sich schwer in sich zu verschmelzen.

 

Zu unserem Erstaunen flauten Wind als auch die Wellen in der Meerenge zwischen Lobos und Fuerteventura zunächst deutlich ab. Kaum aber am Ende angekommen, stiegen die Wellen nun aus NO - O kommend bis zu 2,5 m steil nach oben. Der Wind schlängelte sich entlang unserer Fahrtrichtung, sodass wir die ausgebaumten Vorsegel stehen lassen konnten.

 

Wieder zu unserem Erstaunen flauten die Wellen aber nicht nach Durchqueren der Engstelle ab, leider nein. Weiter türmten sie sich spitz, nun aus NO kommend, auf. Ein echter Kotzkurs! "Mach dir keine Sorgen Bössi, noch rund 1 - 2 Meilen, dann wird es ruhiger". Das stimme auch. Betraf aber leider nur den Wind, der bis auf 4 - 6 Kn abflaute und GANESCHA dadurch noch mehr schwojen ließ. Die Wellen legten komischer Weise an Höhe aber deutlich zu.

 

Schräg von achtern, das magst du gar nicht. Nun bis zu 3 m Höhe. So steuerte ich von Hand, um 1. nicht auf die Backe zu gehen und 2. um das Schwojen des Bootes zu minimieren. Violetta dankte es mit strahlendem Lächeln. Ihre Seekrankheit blieb wohl deshalb und Dank reichlichem Verzehr grüner Äpfel aus!

 

Die Vorsegel zusammen gerollt, ging es rund 2 SM nach der Meerenge unter Motor voran. Mann, habe ich geschimpft! Was für ein Geschaukel. Der Wetterbericht hatte für die ganze Strecke 15 Kn aus N angesagt, potz blitz. Rund 2,5 h knatterten wir nun unter Motor des Weges. Immer wieder rauschten Brecher von nun bis zu 3,5 m Höhe unter uns durch und versuchten nicht selten uns auf die Backe zu legen. Selten war ich so verwundert über die vorherschenden Bedingungen: Praktisch kein Wind, doch mörderischer Seegang. 

 

Erst rund 2 SM südlich von Puerto del Rosario frischte der Wind wieder mit rund 12 Kn aus N auf, und wir konnten beide Vorsegel mit Baum wieder aufziehen und den Motor ausschalten.

 

Die See war weiterhin ruppig. Weiter rauschten vereinzelt richtig dicke Brecher nun mehr aus O, also beinahe von der Seite, heran, und versuchten uns weiter auf die Backe zu legen. Das Steuer blieb in der Hand und hohe Konzentration war angesagt.

 

Nach einer weiteren Stunde wechselte der Wind immer wieder seine Richtung zwischen N u. NO, sodass die an BB-Seite ausgebaumte Genua immer wieder einzufallen drohte, was ein sensibles Steuern und weiterhin erhöte Wachsamkeit forderte.

 

Unter diesen Bedingungen schaukelten wir bis an die SO-Spitze von Fuerteventura voran. Dort angekommen, nahm der Wind deutlich zu. 17, 20, 22 Knoten. Heidewitzka, ab geht die Post. So legten wir deutlich an Fahrt zu. Positiv zu berichten ist in so fern, das der Wind sich ab der SO-Spitze kontinuierlich entlang der Küste schlängelte, und wir beide Vorsegel ausgebaumt bis nach Gran Tarajal stehen lassen konnten.

 

Obwohl die Distanz mit 46 Sm ja nicht all zu groß war, waren wir froh in der Marina angekommen zu sein. Unser kleines Hafenkino beim Anlegen krönte das Ende dieser Tagesetappe, als uns der Marinero beim Anlegen helfen wollte. Er machte auf unseren Wunsch die Heckleine fest, in die ich eindampfen wollte, um uns gegen den Seitenwind zu stemmen. Als er sah, dass sich die Leine stark spannte, warf er sie wieder los. So standen wir erst einmal quer in der Box.

 

Glücklicher Weise gab es keine Schrammen. Der Marinero war entsetzt als er seinen Fehler bemerkte und entschuldigte sich mehrfach. "Keine Sorge moj Amigo, alles gut gegangen", versuchten wir ihn zu beruhigen! 

 

Rund eine Stunde später trafen wir uns in seinem am Ende der Marina liegendem (Mini) Büro, ca. 1,3 x 3 m. "Echt riesig" sagte ich. Erst schmunzelte er und plötzlich mussten wir beide laut lachten. 

 

In diesem Moment kam eine Dame Mitte 60 ins Büro und unterbrach uns wild gestikulierend. "Merde, wo Taxi, grande Problem ... Merde, I'm in Drama ..."!

Nachdem der Marinero sich an sie wendete erklärte sie aufgebracht, dass sie einem 20 Jahre älteren Skipper entlaufen sei, mit dem sie nicht eine Sekunde länger an Bord verbringen wolle. "Er stinkt wie ein Schwein und hat sich mehr als eine Woche nicht gewaschen und auch nicht die Kleidung gewechselt. Das Boot hat nichts. Die Navigation geht nicht und alles ist kaputt. Ich soll seine Wäsche mit der Hand waschen ..."!

 

Die Arme. Sie hat alles stehen und liegen gelassen und ist abgehauen... . 

 

Wir bendeten die Einklarierung mit einem Dauerschmunzeln und verabschiedeten uns von dem wirklich sehr freundlichen, jungen Marinero.

 

Zur Marina folgendes: Gäste legen meistens am 2. Steg (mit Anlandungsfingern) an. Vorsicht: Die Anlegefinger sind im rechten Winkel zum Steg mit einer Kette im 90 Grad Winkel gesichert. Vor Allem bei rückwärtigem Anlegen aufpassen.

 

Am Abend knallen heftige Fallwinde den Berg herunter! Bei starken südlichen Winden kann es in der Marina kräftig zur Sache gehen. Dann besser nicht von Bord gehen.

 

Da wir nur eine Nacht hier waren, haben wir die Gegend nicht augekundschaften. 

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© Martin Plassonke