Von Fuerteventura nach Gran Canaria

Fuerteventura - Gran Canaria - 48 SM

Logge bei Ankunft:1330 SM

Logge bei Abfahrt: 1282 SM

Distanz: 48 SM

Motor: 982,6 h

 

06:00 Uhr, noch immer war es dunkel. Ich konnte aber nicht mehr liegen. Zu aufgewühl war ich nach dieser unruhigen Nacht, und war wie gerädert. Also raus aus den Federn.

 

Der Wind fegte weiterhin böig durch die Wanten und spielte sein Lied. Bis ich im Cockpit angekommen war, erhellte sich ganz seicht der Horizont (landschaftlich gesehen). Meinen eigenen Horizont konnte ich noch nicht erblicken.

 

Violetta lag noch in der Koje und ich machte mich an die Vorbereitungen zur Überfahrt nach Las Palmas de Gran Canaria. Den Blick in Richtung SW versuchte ich zu vermeiden, den dort entlud sich ein Brecher nach dem Anderen an der Südspitze Fuerteventuras.

 

Mir war wirklich mulmig zumute. Angeregt durch Horrorgeschichten von Seglern, die hier schon waren. Auch aus unserer Erfahrung von der Reise hier hin, mit Wellen von 3,5 m, ohne den WInd dazu zu haben. Hier hatten wir aber Wind, gestern Abend und in der Nacht nicht zu knapp - bis 27 Kn (laut Wetterbericht sollten es max. 14 Kn werden). Werden Violettas "Grüne Äpfel" für die Überfahrt reichen? Werden sie sie auch dieses mal Fitt halten?

 

Tausende Gedanken gingen mir durch den Kopf. Violettas Ruf "Frühstück" unterbrach mein Grübeln. Unter Deck versuchte ich mich als großmutiger Matscho um von meiner inneren Unruhe abzulenken. Doch wollte mir aber irgend wie nicht gelingen, gute Laune zu verbreiten. 

 

Ok, dann Strategie Besprechung: Langsam angehen; 2. Reff und Kutterfock. Damit umrunden wir das Kap. Vorher Q-Wende, keine Halse. Dann sehen wir weiter. Alle Klamotten und auch die Weste anziehen. Anker rauf und einen großen Bogen um das Riff herum ... . 

 

Die Besprechung bewirkte Wunder. Plötzlich waren wir beide recht entspannt, schauten uns an, und wir wussten: Wird prima klappen. Wir haben ja keinen Sturm. Und wenn's eng wird, dann wieder zurück in die Bucht oder die nächste Marina, die ja nur wenige Meilen zurück lang.

 

Wie gesagt, so getan. 08:15 h, Anker auf, und los. Wind bis 18 Kn. In wenigen Minuten waren wir um die Ecke herum. Unsere Befürchtungen auf riesige Wellen zu stoßen, blieben glücklicher Weise unbegründet. Zwar setzte die Dünung aus NW und die Windwellen aus NO, aber entwickelten sich die Wellen nur bis ca. 1,5 m Höhe. Vereinzelt schienen sich Dünung und Windwelle zu vereinen, was manchmal zu ca. 2,5 m hohen Kämmen führte. Alles aber nicht wirklich bedrohlich.

 

Mit ca. 18 Kn Wind hatten wir genug Druck im Rig, um nicht zu schwojen. GANESCHA lief 7,8 Kn und somit sehr stabiel. Nach rund einer Stunde tauschten wir die Kutterfock gegen die Genua aus. Nach einer weiteren halben Stunde vergrößerten wir das Groß ins 1. Reff. Nun ca. 16 Kn Wind im Durchschnitt. So mehr wir uns vom Land entfernten, so weniger Böen gab es auszureiten.

 

Nach einer weiteren Stunde zogen wir das Groß komplett auf. Was für eine Freude. All unsere Ängste waren verflogen. Violetta fühlte sich dank der "Grünen Äpfel" frei von Seekrankheit. Ja, besser konnte es uns einfach nicht gehen.

 

Außerhalb der Fährenroute zogen wir unsere Bahn. Kein Schiff überholte uns. Ab und zu kam uns ein Fährschiff entgegen, aber keines überholte uns. Mit bis zu 8,7 Kn zog GANESCHA durch den Atlantik. Noch lange hatten wir nicht alles ausgereitzt, was möglich wäre. "Da geht noch viel mehr", rief ich Violetta zu. Sie winkte dankend ab.

 

WAAAHHHNNNSSSIIINNN! Was für ein Turn!!! Alles zuvor erlebte ließen wir in diesem Moment hinter uns. Wir waren wie gefesselt von den wunderbaren Bedingungen, die dieser Tag für uns bereit hielt. So ein Erlebnis ist mit Worten kaum zu beschreiben.

Und nun war sie da: Die Entschädigung für all das Schietwetter und die vielen Kotzkurse, die wir bis hierher, und noch den Tag zuvor, gemeistert haben. Oh Herr,  was für ein tolles Geschenk!!!

 

Um 14:00 Uhr wurden wir über Funk angesprochen. Rasch hatten wir uns unserem Zielort genähert. Die Marinacrew hatte unser AIS-Signal beobachtet und wollte wissen, ob wir in die Marina kommen. Unser "Si Senjor" schien den Sprecher zu erfreuen. "Dann kommt mal rein" sagte er mit gutem "English", "wir warten auf euch und gehen euch beim Anlegen zur Hand".

 

Nachdem wir uns durch den engen Schiffsverkehr vor Las Palmas geschlängelt und noch einige Böen in Landnähe ausgewettert haben, liefen wir um 15:00 Uhr in die Marina ein. Gleich links um die Ecke liegt der Anleger für Neuankömmlinge. Dort legten wir an und erledigten die Formalitäten.

 

Dann schien die Marinacrew es eilig zu haben. "As soon as possible" hieß es plötzlich. "In die Box T 18 Platz 13". Gibt's denn schon Fußball?!

Der Platz war quasi eine Endjugferung für uns. Zum ersten mal legten wir mit Moringleinen (ohne Anlegefinger) an. Rückwärts in die Box gebrettert, der Marinero mit dem Schlauchboot zur Seite um unsere Nase ggf. gegen den Wind zu drücken.

 

Am Steg angekommen zogen wir eiig die Heckleinen fest und Maschine Fahrt voraus. Damit lagen wir so stabil, dass wir die dünnen Leinen, die am Steg befestigt sind, zu ergreifen, und damit nach Vorne zu gehen, wo die dicken Leinen im Wasser liegen. Diese werden mittels der dünnen Leine herauf gezogen, durchgesetzt und fest gezurrt. Fertig!

 

Zu beachten: Die im Wasser liegenden Leinen sind übersäht mit scharfen Poggen und glitschiegen Algen. Gut dem, der Handschuhe trägt und den Job nicht in der Sonntagskluft meistert. Das gibt mitunter Ärger mit der Frau und rasch könnte ein Pflaster von Nöten sein.

 

Wow, was für eine Fahrt, was für ein Tag! DANKE!

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© Martin Plassonke