Von San Miguel de Tenerife nach San Sebastian La Gomera

San Miguel - San Sebastian 37 SM

Logge bei Ankunft: 1383 SM

Logge bei Abfahrt: 1346 SM

Distanz: 37 SM

Motor: 993,8 h

 

Von der "Düse" zwischen den Inseln und den Differenzen der Wetterberichte hatten wir ja schon einiges erfahren dürfen. Doch was wir auf diesem Turn erleben durften, sollte alle bisher Bekannte weit in den Schatten stellen ...

 

15, in Böen bis 20 Knoten Wind aus N, so der Wetterbericht. Na prima, dann kommen wir gut und stresslos voran. Wenn wir wollen werden wir die rund 25 Meilen in ca. 4 Stunden schaffen. Also kein Grund zur Eile und Zeit für Ausblicke.

 

Um 08:30 Uhr legten wir ab. Vor der Hafeneinfahrt kabbelige See bis 1,5 m. Um dem zu entgehen fuhren wir zunächst rund eine Meile Richtung Süden um dann Kurs W zu legen. Die See wurde wie erwartet ruhiger und unter Genua steuerten wir Richtung Südspitze Teneriffas.

 

Da uns die Differenzen der Wetterberichterstttung sehr wohl bekannt waren, wollten wir nicht gleich Richtung San Sebastian zu steuern, sondern uns an der Westküste gen Norden hangeln, um vor La Gomera den Wind nicht gegebenenfalls auf die Nase zu bekommen. Das Foto zeigt, wie weit nach N wir führen.

 

Kurz vor erreichen der Südspitze Teneriffas wurde die See wieder erwartungsgemäß kabbeliger. Wellen aus mehreren Richtungen liefen hier zusammen und türmten sich bis zu 2 m spitz auf. "Kapeffekt"! Der Wind war mit 10 Kn lau. An der Spitze angekommen setzte der für dieses Kap tüpische Winddreher rasch ein, was uns veranlasste, die Genua komplett weg zu nehmen. Was für ein Geschaukel.

 

Auf der Höhe von Los Christianos, von wo die Fähren nach La Gomera gehen, wurde die See dann rasch ruhiger und kein Lüftchen wehte. Unter Motor tuckerten wir so 2 SM voran, als plötzlich der Wind aus N einsetzte. Das Groß raus und die Genua auf. 15 Kn Wind - prima!

 

Kaum hatten wir die Segel gesetzt, donnerte "Freddy", die Schnellfähre von Fred Olsen aus Los Christianos kommend auf uns zu. Die Peilung ergab, dass sie knapp vor uns durch donnern würde. Und so blieben wie entspannt. Unglaublich welch einen Strudel die Dinger im Wasser hinterlassen, was für ein Speed!!!

 

 

Die ganze Zeit waren wir damit beschäftigt, die Küstenlinie zu betrachten. So näherten wir uns rasch der Fischzuchtanlage in der Bucht vor Adeje. Erst rund 100 m vorher bemerkten wir sie. Nein, nicht gut. Wir sollten besser aufpassen! Vor allem, weil die pralle Sonne den Blick voraus erschwert, und Dinge oft nicht sogleich erkennen lässt. Die Betonnung der Anlage erschien uns eher "knapp bemessen", dieses legten wir uns zu unserer Entschuldigung zurecht!

 

Kurz nach "Callao Salvaje" legten wir dan Kurs Richtung Nordspitze von La Gomera. Die See war spiegelglatt. Der Wind brachte uns mit ca. 5,5 Kn sanft voran. Um eventuell einen Blick auf Delfine oder auch einen Waal zu erhaschen beobachteten wir gespannt die See in unserer näheren Umgebung.

 

Rund fünf Meilen westlich von Teneriffa meinten wir plötzlich viele Fischerboot rund 2 Meilen voraus entdeckt zu haben. Doch irgendwie sahen die komisch aus, und bewegten sich auch so rasch und verschwanden plötzlich. Nach genauem Hinsehen durch unser Fernglas erkannten wir, dass sich keine Boote vor uns her bewegten, sondern weiße Wällenkämme. 

 

Au weia, geht das wieder los. Es sollte doch heute ruhig sein. Kaum das Fernglas zur Seite gelegt, wurde die See plötzlich zunehmend kabbeliger. Der Wind blieb aber konstant bei rund 12 Kn. Ein Blick auf die Seekarte erklärte uns den Wellengang. Wir befanden uns inmitten zwischen Teneriffa und La Gomera, wo ein tieferer Graben liegt. Hier scheinen sich verschiedene Strömungen zu treffen, die rasch eine kabbelige, steile Welle entstehen lassen. Heute waren es rund 1,5 m, aber wie gesagt, ungemein spitz.

 

Noch mit unserer Verblüffung beschäftigt, bemerkten wir, dass kurze Zeit später der Wind plötzlich spürbar zu nahm. 18 Kn! Gleich ins 2. Reff! Gut so. Doch keine 5 Minuten später 25 Knoten, 28 Knoten. Genua weg und die Kutterfock raus. Das 3. Reff rein! 9,8 Kn Fahrt. Auch die Wellen, die nun aus W NW auf uns zu kamen, nahmen beträchtlich an Höhe zu. 32 Knoten, 35 Knoten Wind... 

 

Violetta verschwand mit dem Eimer in der Hand in die Koje. Bis zu 3 m hohe Wellen von der Seite. Der Wind dreht weiter nach W. Neiiiin, warum denn das? Fast genau auf die Nase, nun mittlerweile 35 Knoten. Kutterfock um 1/3 verkleinert. Den Großbaum gefiert. Fast 10 Kn Fahrt. Dann einige Wellen. Fahrt runter auf 4 Kn.

 

Mittlerweile presste der Wind die Wellenkämme über die Sprayhood mir platt über den ganzen Körper. Juhuu schrie ich, wenn du es so willst, ich bin dabei (not gedrungen). Wollte sowieso gerade duschen. "Große Klappe"?! schien jemand zu antworten. Rumms die nächsten Duschen.

 

OK dann, Plassonke, reiß dich zusammen und schalte die Birne ein. Du hast vorsorglich genug Höhe gelaufen, fall nun ab, auch wenn du an San Sebastian vorbei segelst. Kurz nach Umrundung der Ostspitze von La Gomera wird es ruhiger, dann kannst du im Windschatten der Insel ruhig in den Hafen moteuren!

 

Mittlerweile zeigte der Windmesse 40 Knoten (ab 41 Kn bedeutet das 9 Bft.!) Wellen steil bis 3 m und mehr. Die Kutterfock auf die Hälfte weg gerollt. Fahrt teilweise 10 Knoten und mehr. Nach dem Kurswechsel stabilisierte sich die Sachlage ein wenig und die riesige Hafenmauer von San Sebastian kam in Sicht. Das baut auf.

 

Plötzlich erkannte ich ein Fährschiff, welches genau in meine Richtung zu laufen schien. Nach wie vor konnte ich mit meinen Salz unterlaufenen Augen kaum voraus sehen. "Scheiße, sind wir auf Kollisionskurs, oder was"? ...

 

Zu meinem Glück stellte ich wenige Minuten später fest, dass das Fährschiff hinter der Hafenmauer, also im Hafen angelegt hatte, das Deck aber weit über die Mauer heraus ragte, was mir den Eindruck vermittelte, dass es genau auf mich zu kam. 

 

Nach Klärung, dass dem Gott sei Dank nicht so war, bemerkte ich, dass der Wind auf 32 Knoten zurück gegangen war, und eine seichte Entspannung sich auf der GANESCHA ausbreitete. Noch rund drei Meilen. Alterchen, du hast es geschafft, sprach ich mir Stolz wie Osca über die gewählte Strategie und standfestigkeit am Steuer zu.

 

28 Knoten Wind, nur noch 2 SM. Die Hafenmauer kam rasch in greifbare Nähe. Bei nun dicht gesetztem Groß und "back" gesetzter Kutterfock schaltete ich den Motor ein und fuhr in einem großen Bogen um die Hafenmauer herum in die Hafenmündung ein. Die Kutterfock wendete nun selbstständig, und ich rollte sie danach sogleich ein.

Auch das Groß stand nun passend im Wind, sodass ich es mühelos bergen konnte.

 

"Sind daaaaaa"!, ging mein Ruf nach unten. Keine Antwort. "Siiiinnnd daaaaahaa"! 

"Oh jeh, wirklich, jetzt schon"? "Hatte gerade so schön gereiert"! Mit blassem Gesicht und merklich gezeichnet von den Turbolenzen unter Deck und der enormen Übelkeit kroch Violetta ins Cockpit. "Oh, ist ja ganz ruhig hier" meinte sie verblüfft, doch sichtlich erleichtert.

 

"Joh, schon etwas ruhiger hier. Willst du gleich weiter nach Valle, oder trinken wir hier erst mal ein Tässchen Kaffee"? Sie lächelte und ich wusste, alles ist gut... .

 

Sogleich aber wieder zurück zur Pflicht: Wir befanden uns in einem (recht engem) Hafen mit Fährbetrieb. Da ist rumblödeln nicht angesagt. Ein Wachboot der Betreiber hatte uns im Visier, und schien aufzupassen dass wir 1. nicht in den Wendebereich der Fähren fuhren, und 2. die Einfahrt zur Marina zwischen den dafür vorgesehennen Tonnen nahmen. "Selbstverständlich Amigos"!

 

Da in der Marina kaum Platz für Wendemanöver ist, bereiteten wir GANESCHA "Draußen" in Ruhe auf das Anlegemanöver vor, was sich wieder als vorteilhaft herausstellte. Als wir damit fertig waren, namen wir über "Kanal 9" Kontakt mit der Marina auf. Da wir uns telefonisch angekündigt bzw. reserviert hatten, wurden wir bereits (sehr freundlich) erwartet. 

 

Ein Marinero wartete im Schlauchboot in der Einfahrt auf uns, und wies uns den (leider unbeschrifteten) Steg "D" zu, den wir nach Handzeichen des Marineros sogleich ansteuerten.

 

Zu unserer Überraschung pfefferten uns bei der Einfahrt in die Marina schlagartig rund 25 Kn Wind nun aus dem Ort San Sebastinan kommend auf die Nase, was das Anlegen wegen der Enge zu einem echten Drahtseilakt werden ließ. 

 

WICHTIG über diese Marina zu wissen: Der Wind knallt sehr häufig aus der beschriebenen Richtung mit 25 Kn und mehr auf dich ein. Keine Umrundungen der Anlegefinger fahren, sonder die Nase oder den Hintern in den Wind und, je nach Anlegeseite, gegen oder mit den/m Wind in die Box einfahren - das klappt prima! Die Marineros sind gut und gehen immer zur Hand.

 

Wenn mehrere Boote einfahren wollen, unbedingt draußen warten, bis der Vorherige fest liegt!!! Und wenn ihr nicht wisst, mit welcher Seite ihr anlegen könnt, rein in die Marina, Überblick verschaffen, und noch mal raus, und alles in Ruhe vorgereiten... .

 

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© Martin Plassonke